Berlin - Ein Forscherteam aus Bochum und Berlin untersucht seit Beginn der Pandemie deren Auswirkungen auf die Psyche der Bevölkerung. Es geht dabei auch um die Fragen, welche Personen die Corona-Warn-App in Deutschland nutzen, welche nicht und wie sie ihre Entscheidung begründen. Ein Gespräch mit Kai T. Horstmann, Professor am Institut für Psychologie der HU Berlin.

Herr Horstmann, wie zufrieden sind die Befragten mit der Corona-Warn-App?

Vielleicht erst einmal kurz unsere Vorgehensweise: Seit März 2020 läuft unsere Tagebuch-Studie. Wir befragen unsere Teilnehmer mehrfach wöchentlich, zum Beispiel nach ihrem Befinden, ihrer Einsamkeit oder ihren sozialen Kontakten. Zwischendurch haben wir auch Fragen zu der Verwendung der Corona-Warn-App gestellt. Mittlerweile haben etwas mehr als 5000 Menschen teilgenommen. Zu der App haben wir Daten von knapp 2000 Personen auswerten können.

Foto: Humboldt Universität
Kai T. Horstmann ist Professor am Institut für Psychologie der HU Berlin.

Und mit welchem Ergebnis?

Männer nutzen sie häufiger als Frauen, Vollzeit-Beschäftigte eher als Personen in Ausbildung. Personen, die die App nicht nutzen, sind in dieser Studie im Durchschnitt älter, weiblich und gesünder. Besonders interessant ist, dass die Personen, die anderen grundsätzlich eher vertrauen, auch eher die App installiert haben.

Bundesweit haben etwa 30 Prozent der Bevölkerung die App heruntergeladen, die Regierung hatte auf 60 Prozent gehofft. Woran liegt das?

Natürlich kann ich nicht sagen, wieso das im Allgemeinen so ist, unsere Studie ist nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung. Von denen, die angegeben haben, die App nicht zu verwenden, gaben etwas mehr als ein Drittel an, dass sie Bedenken wegen des Datenschutzes haben. Einige äußerten Zweifel, ob die App überhaupt zur Eindämmung der Pandemie hilfreich sei. Anderen fehlten die technischen Voraussetzungen oder sie wussten nicht, wie die App heruntergeladen werden kann. Da würde noch mehr Aufklärungsarbeit helfen.

Und was ist mit der ständigen Kritik an der App? Für Menschen, die sowieso wenig vertrauen, wirkt die App wohl wenig überzeugend, wenn Politiker die Funktionsweise immer wieder kritisieren.

Wenn das um die Verbesserung der Funktionsweise passiert, dann spricht nichts gegen den Dialog. Wenn damit aber vielleicht parteipolitische Interessen verbunden sind, dann könnte das Zweifel wecken bei Menschen, die sowieso skeptisch sind. Unsere Befragung hat gezeigt, dass Menschen, die generell wenig Vertrauen haben, nicht geneigt sind, die App herunterzuladen. Diese Zweifel können durch wenig zielführende Diskussionen verstärkt werden.

Welche Gründe gibt es noch?

Aus persönlichen Gesprächen habe ich erfahren, dass Personen auch negative Konsequenzen durch die App befürchten. Ein Selbstständiger äußerte die Sorge, er müsse sein Unternehmen schließen, wenn seine App ihm einen Risikokontakt anzeige. Ich denke, diese Sorgen muss man ernst nehmen und gleichzeitig mit gezielter Aufklärung dagegen ansteuern.

Das Interview führte Jörg Hunke.