Autos, die sich ohne Fahrer fortbewegen, Mülltonnen, die kundtun, wenn sie voll sind, eine App, die freie Parkplätze auf das Smartphone meldet. Solche Szenarien sind längst keine fernen Zukunftsvisionen mehr, sondern gehören zu dem, was man Smart City, eine intelligente Stadt, nennt – übrigens alles Inhalte einer Strategie, die der Senat im April verabschiedet hat, um in den nächsten Jahren aus Berlin eine solche Smart City zu machen.

Unter dem Begriff lassen sich Konzepte und Ideen summieren, wie neue Technologien zur nachhaltigen Stadtplanung genutzt werden können. Davon, eine Smart City zu sein, ist Berlin allerdings noch ein Stück entfernt – das jedenfalls meint Raoul Bunschoten, der am Institut für Architektur der Technischen Universität (TU) Berlin den Bereich für nachhaltige Stadtentwicklung und Städtebau leitet. „Zunächst geht es darum, in der Gesellschaft unserer Stadt ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wir uns Berlin als Smart City vorstellen“, sagt er.

Raum für kollektives Denken

Wo sich dieses gesellschaftliche Bewusstsein bilden soll, weiß Bunschoten auch schon. Er ist Initiator der Brainbox, ein interaktiver Raum, in dem Stadtplanung neu gedacht werden soll. Die Brainbox ist eine knapp zehn Meter hohe Installation, eine Art schwebender Würfel, dessen Innenwände als Projektionsflächen für Videos, Präsentationen oder beispielsweise ein 3D-Stadtmodell Berlins dienen. In der Mitte steht ein Tisch, der wie ein großer Touchscreen funktioniert. Hieran können stadtplanerische Projekte entwickelt werden.

Gemeinsam mit seinem Team am Institut Chora City & Energy hat Raoul Bunschoten dafür ein Planspiel entwickelt. Die Spielkarten enthalten Informationen zu bestehenden und zukünftigen Technologien und Projekten, gesetzlichen Vorgaben und Zielen der Stadt sowie den diversen Interessengruppen. Legt man eine Spielkarte auf den Tisch, bekommt man dazu zusätzliche Informationen an den Wänden angezeigt. So fliegt man durch das 3D-Modell der Stadt zu den jeweiligen Standorten und sieht relevante Verknüpfungen mit anderen Projekten.

Die Brainbox ist also ein Simulationsraum, in dem ausprobiert werden soll, wie verschiedene Systeme der Stadt integriert werden können, um gesellschaftlichen Mehrwert zu stiften. Sie soll aber auch ein öffentlicher Ort sein, an dem nicht nur Vertreter aus Industrie, Politik und Wirtschaft, sondern auch ganz normale Bürger mit über die Zukunft ihrer Stadt diskutieren können.

Für Bunschoten ist die Frage, wie die intelligente Stadt gestaltet werden soll, nämlich in erster Linie eine kulturelle: „Wir müssen uns als Gesellschaft fragen, was wir von der Technologie erhoffen. Welche Entscheidungen wollen wir der Technik überlassen? Und welche wollen wir selbst mitgestalten, weil es dabei um unsere demokratischen Rechte als Bürger geht?“

Geplant ist, die Brainbox als Nächstes durch die Berliner Kieze ziehen zu lassen und Menschen aus den Bezirken mit Akteuren aus Industrie und Politik zusammenzubringen. Das große Ziel ist es jedoch, einen permanenten Ort des Austauschs auf dem Campus Charlottenburg entstehen zu lassen, den sich die TU Berlin mit der UdK teilt.

Bei der Langen Nacht der Wissenschaften will Bunschoten erstmals Projekte aus verschiedenen Fachbereichen der Technischen Universität in der Brainbox vorstellen, die alle mit dem Thema Smart City zu tun haben. Um die intelligente Aufbereitung und Nutzung von Regenwasser wird es beispielsweise gehen, um Elektromobilität und um Big Data.

Außerdem soll es jede Menge Tanz und Musik in der Brainbox geben. Denn Kunst gehört für Raoul Bunschoten unweigerlich zur Smart City dazu: „Ich wollte einen Raum schaffen, der transdisziplinär ist“, sagt er, „wo an einem Tag Choreografen ihre Tänze aufführen und Musiker ihre Musik machen und am nächsten Tag Industrievertreter darüber diskutieren, wie ihre Systeme integriert werden können.“ Erst durch die Kunst ließen sich auch die ganz normalen Menschen für das Thema Smart City gewinnen.

Brainbox – Stadtplanung der Zukunft. Haus der Ideen, Technische Universität, Charlottenburg.