Zehn solcher Stationen gibt es bereits in Berlin. Anfang 2020 sollen weitere zehn folgen.
Foto: Greenpack

Berlin-AdlershofWas bei Elektroautos noch das große Problem ist, ist für elektrifizierte Cargobikes und Stromscooter gelöst. Denn diese lassen sich tatsächlich bereits in wenigen Sekunden „betanken“ und auf maximale Reichweite bringen. Die simple Lösung: Den leeren Akku aus dem Fahrzeug nehmen, in eine Wechselstation klinken, eine volle Batterie entnehmen und in den Scooter oder das Lastenrad einsetzen – fertig, weiter geht’s.

Die Idee ist nicht ganz neu. Der taiwanesische E-Roller-Anbieter Gogoro praktiziert dies in seiner Heimat bereits seit Jahren. Dort sind 1200 Akku-Wechselstationen auf das Land verteilt. Aber den schnellen Akkutausch gibt es auch in Berlin. 

Modellversuch von Greenpack erfolgreich abgeschlossen

Das inzwischen im Wissenschafts-Park Adlershof ansässige Unternehmen Greenpack, das hierzulande als der Wechselakku-Pionier gilt, hat vor gut einem Jahr einen Modellversuch mit acht Stationen in Berlin gestartet. So zum Beispiel bei der Paketverteilbasis Komodo am Mauerpark, von der aus DHL, Hermes & Co Pakete mit Lastenrädern verteilen, oder im Treptower Motionlab, wo Start-ups unter anderem Elektro-Cargobikes entwickeln.

Gerade wurde dieser Test erfolgreich abgeschlossen, und schon gibt es weitgehende Pläne. „Jetzt soll der bundesweite Aufbau der Akku-Wechselinfrastruktur beginnen“, sagt Greenpack-Co-Chef Tobias Breyer. Dafür wurde im Sommer dieses Jahres die Tochterfirma Swobbee gegründet, bei der die Wechselstationen montiert werden.

Die Fertigung findet ebenfalls auf dem Adlershofer Wista-Gelände statt. Mittlerweile wurden dort etwa 30 Stationen produziert. Im nächsten Jahr sollen es 200 sein. Für Berlin ist bereits die Installation weiterer zehn Stationen für Anfang 2020 geplant. Auch aus Freiburg und Bochum gibt es Bestellungen. Weitere Städte in Deutschland, Österreich und den Niederlanden folgen. Über den nächsten Standort einer sogenannten Swobbee-Station informiert eine App, über die sich volle Akkus auch für eine bestimmte Zeit reservieren lassen. Die Abrechnung erfolgt ebenfalls online.

Offen für andere Akku-Systeme

Zur potenziellen Kundschaft zählt man in Adlershof jeden, der in Innenstadträumen etwas zu transportieren hat – Logistiker, Lieferdienste, Handwerker und Gewerbetreibende. Dabei setzt Greenpack nicht nur auf die eigenen Akkus, sondern ist offen für die Integration anderer Batteriesysteme. So lassen sich an den Wechselstationen mittlerweile auch Akkus für E-Scooter der spanischen Marke Torrot sowie von Kumpan aus Rheinland-Pfalz tauschen. Weitere Anbieter sollen folgen. Breyer: „Die Swobbee-Station wird in den kommenden Jahren zu der Stromtankstelle für die Mikromobilität werden.“

Greenpack war ursprünglich 2015 als Entwickler standardisierter Wechsel-Akkus gegründet worden, musste aber bald Insolvenz anmelden. 2017 erfolgte der Neustart mit neuen Eigentümern und den Wechselstationen als weiteres Angebot.

Nun will Greenpack darüber hinaus auch komplette, aus Motor und Akku bestehende Antriebspakete für Cargobikes anbieten. Dafür wurde im September die Zusammenarbeit mit dem baden-württembergischen E-Motorenlieferanten Heinzmann vereinbart.