Kehr-Roboter Blitz One der Berliner Firma Enway.
Foto: Enway

BerlinIn Sachen autonomes Fahren kamen die jüngsten Neuigkeiten unter anderem aus dem kalifornischen San José. Dort lassen Bosch und Daimler seit der vorigen Woche Passagiere auf vorgegebenen Strecken in fahrerlosen S-Klassen chauffieren. Ziel des Roboter-Taxi-Tests sei ein serientaugliches System, das in verschiedenen Fahrzeugen eingesetzt werden kann, heißt es in Stuttgart. 

Im Ullsteinhaus am Mariendorfer Damm in Tempelhof wird das gleiche Ziel verfolgt. Dort handelt es sich jedoch nicht um Milliarden-Konzerne, sondern das 25-köpfige Start-up Enway, das für sich beansprucht, als erstes europäisches Unternehmen ein autonomes Fahrzeug auf den Markt gebracht zu haben – den Blitz One.

Kehrmaschine für Lager- und Produktionshallen

Das Gefährt ist allerdings nicht für den Personentransport gedacht und auch nicht so schnell, wie sein Name vermuten lässt. Gerade mal drei Kilometer schafft der Blitz in einer Stunde. Maximal. Das Robo-Mobil ist eine Kehrmaschine, die fahrerlos Lager- und Produktionshallen sauber halten kann.

An der Entwicklung des Fahrzeugs arbeitet das Unternehmen Enway seit 2017. Seinerzeit wurde es von Julian Nordt, Bo Chen und Thanuja Ambegoda gegründet. Alle drei kennen sich vom Studium in Zürich. Dort hatten sie auch die Idee für das autonome Arbeitsfahrzeug, entschieden sich dann aber schnell für eine Gründung in Berlin. „Die Stadt ist günstiger als Zürich und vor allem der beste Ort, etwas Neues auszuprobieren“, sagt Enway-Chef Julian Nordt.

Mit Starthilfe von der BSR

Angefangen haben sie mit Unterstützung der BSR in einem Container auf dem Euref-Campus in Schöneberg. Danach arbeiteten die Gründer auch mit dem Berliner Bluehouse Lab zusammen, dem Digitallabor des Recyclingunternehmens Alba. Im vergangenen Jahr zogen sie dann in die Drivery im Ullsteinhaus, wo sich mittlerweile etwa 60 Jungunternehmen mit neuen Möglichkeiten der Mobilität beschäftigen.

Inzwischen ist Blitz One tatsächlich serienreif. Im September startete die Produktion. Partner dafür ist das mittelständische Unternehmen Stolzenberg aus Osnabrück. Von dort kommt das Fahrzeug, das von Enway mit Kameras, Sensoren und der nötigen Software so aufgerüstet wird, dass es auch ohne Fahrer unfallfrei kehren kann. Ausgeliefert werden die Fahrzeuge dennoch mit Fahrersitz und Lenkrad, sodass sie bei Bedarf auch von einem Fahrer bedient werden können.

Sechs Millionen Euro eingesammelt

Fünf Fahrzeuge sind bereits an Unternehmen verkauft und ausgeliefert. Im kommenden Jahr soll die Produktion hochgefahren werden, wofür Enway vor wenigen Wochen bei Investoren sechs Millionen Euro eingesammelt hat. „50 Fahrzeuge sollen es 2020 mindestens werden“, sagt der 34-jährige Nordt.

Parallel wird bereits an einem nächsten Fahrzeug gearbeitet. Es ist eine große Straßenkehrmaschine, mit der sich Enway dann auch in den öffentlichen Raum wagen will. Anfang nächsten Jahres soll in Singapur ein Test beginnen. Das Fahrzeug ist bereits dorthin verschifft.