Kalifornien - Die University Avenue in Palo Alto ist so etwas wie die Prachtstraße des Silicon Valley. Dort eröffnete Apple seinen ersten Laden, Google und Paypal starteten ihr Business, in einer Nebenstraße ist auf einer Häuserwand das Facebook-Symbol zu sehen. Auch Mark Zuckerberg fand vor 14 Jahren hier die ersten Büroräume.

Von den Erfolgsgeschichten der Big Player träumen die jungen Menschen, die an diesem Abend in das Hanahaus gekommen sind, University Ave 456. Früher war das ein Kino, in dem Hollywood Träume erfüllte, jetzt sorgen glänzende Kaffeemaschinen im Eingangsbereich dafür, dass die Gäste mit „Highend Coffee“ versorgt werden. Es geht nicht mehr um Entspannung, sondern um Höchstleistungen. Der SAP-Gründer Hasso Plattner hatte die Idee, das Gebäude umzuwandeln. Hier können Arbeitsplätze gemietet, Kontakte gepflegt und Geschäfte gemacht werden. Und was schnell klar wird: Berlin spielt hier ein große Rolle.

Im Silicon Valley geht es um Ideen

Das geht schon mit SAP-Gründer Plattner los, der in Berlin zur Welt kam, in Potsdam das Barberini-Museum finanziert und dem auch das Hanahaus zu verdanken ist. Auf deren Bühne präsentieren an diesem Abend deutsche Start-ups ihre Konzepte. Es geht am „Demo-Day“ darum, Investoren zu zeigen, warum die Idee aus Deutschland eine wirklich große Sache ist. Es geht auch darum, ein Unternehmen zu finden, dem genau diese Idee im Portfolio fehlt, um durch eine freundliche Übernahme viel Geld zu verdienen.

Sechs Unternehmen präsentieren in kurzen Vorträgen ihre Ideen, zwei davon haben Wurzeln in Berlin. Veranstalter ist der German Accelerator, der vom Wirtschaftsministerium und deutschen Großkonzernen gefördert wird. Er stellt den jungen Unternehmen kostenlose Büroräume zur Verfügung, hilft Kontakte zu knüpfen und vermittelt Zugang zu renommierten Mentoren. Scheint an dem Abend geklappt zu haben, der Saal ist voll.

Magdalena Pohl stellt das Konzept von i2x vor. Das Start-up setzt auf Spracherkennung mithilfe von Künstlicher Intelligenz.

Es ist von Michael Brehm gegründet worden, der auch StudiVZ entwickelt und vor Jahren für 80 Millionen an die Holzbrinck-Gruppe verkauft hat. Ein großer Name in der Szene. Als er in Barcelona Fachkräfte suchte, sagte Magdalena Pohl sofort zu. Sie ist 25 Jahre alt, vor zwei Jahren von Barcelona nach Berlin gezogen, jetzt pendelt sie zwischen der Hauptstadt und dem Silicon Valley.

Currywurst und Käsespätzle im Silicon Valley

Am Ende schaut sie bangend nach rechts, wo die Jury sitzt. Es gibt lobende Worte, nur wissen alle im Saal, dass Spracherkennung in den USA eine großes Thema ist, an dem viele arbeiten. Die Konkurrenz ist groß. Aber das war Magdalena Pohl von Anfang an bewusst. Das Silicon Valley ist die Heimat der Hochbegabten mit ausgeprägtem Ehrgeiz. „Zufällig ist niemand hier“, sagt Magdalena Pohl nach ihrem Auftritt.Und wer nicht aufpasst, muss leiden. Burn-out mit Mitte 20 ist hier nicht selten.

Kurz nach Magdalena Pohl ist Ömer Kücükdere dran. Er stammt aus Istanbul, hat für Großkonzerne wie Danone und Procter & Gamble gearbeitet, sich dann selbstständig gemacht, bevor er die Macher von Rocket-Internet kennenlernte. Die lotsten ihn nach Berlin, Nestpick hat seinem Firmensitz in der Charlottenstraße. Das Start-up will die Suche nach möblierten Appartments in Weltstädten vereinfachen. Deshalb auch der Plan, in den USA Fuß zu fassen, deshalb der Auftritt des Geschäftsführers in Palo Alto. Bisher hat das Unternehmen elf Millionen Dollar eingesammelt.

Vor der Abstimmung gilt auch „Nestpick“ als Außenseiter. Die Gäste des Abends entscheiden elektronisch, wer den besten Eindruck hinterlassen hat. Vor der Bekanntgabe des Ergebnisses gibt es Heimatgefühle auf die Gabel. Currywurst, Käsespätzle und Bier stehen auf dem Tisch. Die meisten Stimmen erhält die Idee von Eyecandylab, dabei geht es um ein Team aus Bayern, das die Augmented-Reality-Technik für Bildschirmbilder entwickelt. So lassen sich beispielsweise Zusatzinformationen über Schauspieler oder Sportler beim Fernsehgucken generieren.

Ein internationales Start-up

Nach dem Gruppenfoto mit Urkunden beginnt das Netzwerken. Ein Bier wird von rechts gereicht, von links schiebt jemand eine Visitenkarte rüber, man spricht sich mit Vornamen an. Ömer und Magdalena stehen zusammen, Kati Schmidt kommt dazu. Sie gehörte in Deutschland zu den ersten Mitarbeitern von Airbnb, gewann dann eine Greencard und zog nach San Francisco. Mit ihrem Fachwissen in Sachen Zimmerbuchung ist sie Mentorin von Ömer. Sally Menken hat für Zalando und Google gearbeitet und ist jetzt fürs Marketing des German Accelerators im Silicon Valley verantwortlich. 

Mike Allen sorgt für mehr Getränke. Der Kanadier kümmert sich um das USA-Geschäft von i2x. Der Leistungsanspruch in den USA sei deutlich höher, sagt er. Und das scheint sich zu übertragen: Die Gespräche sind von großer Ernsthaftigkeit geprägt, jugendlicher Leichtsinn ist nicht so ausgeprägt. Die Gruppe ist sich einig, dass das Silicon Valley noch Jahre Vorsprung hat, was die Start-up-Kultur angeht. Die Angst vor dem Scheitern sei noch immer stark ausgeprägt in Deutschland. Was aber auch zu erkennen sei: Berlin habe weltweit gewonnen, da inzwischen viel Geld in die Start-up-Szene der Stadt geflossen ist. Gründer konnten Erfahrungen sammeln, die Infrastruktur wurde verbessert. 

Die Ausländerpolitik von Donald Trump sorge zusätzlich dafür, dass junge Kräfte aus aller Welt skeptisch werden. Berlin profitiere davon. In Ömers Start-up arbeiten 15 Leute aus elf Ländern. Junge amerikanische Unternehmen gingen allerdings zuerst nach England (wegen der Sprache), dann nach Irland (wegen der Steuern) und erst danach aufs Festland. Das Sprachproblem kennt Ömer auch, er wünscht sich, dass die Behörden in Berlin sich besser auf die Internationalität einstellen.

Gegen 22 Uhr leert sich der Saal. Weil es der letzte gemeinsame Abend des Jahres ist, zieht die Gruppe weiter in die Bar „The Patio“. Lange bleibt keiner. Noch vor Mitternacht ist Feierabend. Die Arbeit ist doch zu wichtig.