Zum Beispiel der Wortspeicher: Brigitte Lutz-Westphal nennt ihn als ein Beispiel dafür, wie sich der Mathematikunterricht an vielen Berliner Schulen in den letzten Jahren verändert und verbessert hat. Schwierige Begriffe – und davon gibt es in Mathe viele – werden in ein Feld auf der Tafel geschrieben, so- dass die Schüler sie sich einprägen können. Ein kleiner Kniff, der einen großen Unterschied machen kann für Schüler, die eine andere Muttersprache als Deutsch haben. „Wir sind nicht so weit, wie wir sein sollten, aber es hat ein Umdenken eingesetzt“, sagt die Professorin für Mathematikdidaktik an der Freien Universität Berlin, die an ihrem Institut angehende Mathelehrer ausbildet.

Viele Lehrer sind nicht vom Fach

Die Lehrer seien heute sensibler dafür, welch unterschiedliche Voraussetzungen ihre Schüler mitbringen, meint Lutz-Westphal. Außerdem hätte sich die Zielstellung des Unterrichts geändert: von auswendig lernen und einüben hin zu verstehen und anwenden – einerseits. Andererseits führten die zahlreichen Leistungstests wie die Pisa-Studie dazu, dass die Schüler über lange Zeiträume auf Prüfungen vorbereitet werden. „Das ist Gift für den Unterricht“, sagt Lutz-Westphal.

Auch Jürg Kramer, Professor für Mathematikdidaktik an der Humboldt-Universität, ist nicht recht überzeugt von den Reformen in seinem Fach. „Berlin hat sich auf den Weg begeben, aber einen Durchbruch kann ich nicht erkennen“, sagt er. Ein wesentliches Problem sieht er darin, dass viele Lehrer, die Mathematik unterrichten, das Fach nicht studiert haben. In der Grundschule trifft das auf achtzig Prozent der Lehrer zu, in der Sekundarstufe I auf zwanzig. Das sei ein viel größerer Anteil als in Thüringen oder Sachsen, sagt Kramer. Solche Lehrer seien auch mit Fortbildungen nur schwer zu erreichen.

Ohnehin ist das Interesse an Lehrerfortbildungen verhalten. „Es gibt viele engagierte Lehrer in Berlin, aber ich habe das Gefühl, dass ich in den Fortbildungen immer dieselben sehe“, sagt Brigitte Lutz-Westphal. Anders ist das etwa in Bayern und Hessen: Dort gibt es längst eine Fortbildungspflicht. (fred.)