Brettharter Techno erfüllt die Kathedrale im Kraftwerk in Berlin-Mitte, das Publikum wirkt so exhibitionistisch wie im KitKatClub. Plötzlich tropft eine eklige Flüssigkeit auf die ekstatisch Tanzenden herab – oben an der Decke hängen Leichen. Diese Filmszene zeigt, dass die Berliner Techno-Thriller-Serie „Beat“ mit vielen drastischen und brutalen Szenen aufwartet.

Mit „Beat“ wird Amazon Prime Ende des Jahres seine Reihe von deutschen Eigenproduktionen fortsetzen. Berlin war schon Schauplatz der ersten deutschen Amazon-Serie „You Are Wanted“ mit Matthias Schweighöfer, die überaus erfolgreich sei, wie Christoph Schneider, Geschäftsführer von Prime Video Deutschland, betonte. Inzwischen hat Amazon Prime mit „Pastewka“ und „Der Lack ist ab“ weitere deutsche Serien gestartet, auch „Deutschland 86“ wird hier fortgeführt.

„Knallharter Berghain-Techno"

Die Idee, die Serie in der Berliner Club-Szene anzusiedeln, kam von Regisseur Marco Kreuzpaintner, der hier selbst jahrelang unterwegs gewesen war und jetzt aus der Distanz von Bayern auf die aufregende Zeit blickt. Der Regisseur, mit Filmen wie „Sommersturm“ und „Krabat“ im Kino erfolgreich, sieht in den Serien momentan die interessantesten Erzählstrukturen, will in der siebenteiligen Serie, wie in einem Roman, auch Nebenstränge zeigen.

Er verspricht zudem musikalische Härte: „Hier spielt kein Charts-Techno, sondern knallharter Berghain-Techno.“ Da im Berghain bekanntlich nicht gedreht werden darf, ist der Serien-Beat-Club zusammengesetzt aus Aufnahmen im Kraftwerk, im KitKatClub sowie im Watergate. Härte beweist auch die Story von Autor Norbert Eberlein. Geheimdienste wollen Kontakt zu kriminellen Clans knüpfen, die sich in den dunklen Kellergewölben tummeln und versuchen, den umtriebigen Club-Promoter Beat (Jannis Niewöhner) für ihre Zwecke einzuspannen.

Die Besetzung ist prominent

Im viertelstündigen Zusammenschnitt, den die Macher am Dienstag zeigten, tauchen russische und arabische Gangster auf. Ein besonders perfides Geschäft ist der Organhandel, für den Flüchtlinge regelrecht ausgeweidet werden. Der Tonfall klingt pathetisch bis drohend: „Wenn das Böse ins Haus kommt, sollte man wissen, auf welcher Seite man steht“, ahnt Beat. Christian Berkel spielt einen Mann, der einer Frau (Claudia Michelsen) ankündigt: „Ich werde Dir niemals verzeihen, ich werde dich töten, ich werde in deinem Blut tanzen!“

Die Besetzung ist prominent: Neben Jannis Niewöhner und Karoline Herfurth (als Geheimdienstlerin) treten auch Alexander Fehling und Hanno Kofler auf. Als „HighClass-Serie“ preist Willi Geike sein eigenes Produkt. Der Präsident und Geschäftsführer der deutschen Warner Bros hatte schon bei „You Are Wanted“ mit Amazon Prime kooperiert. Seine kühne Behauptung, dass die Berliner Clubszene noch nie im fiktionalen Film gezeigt worden wäre, stimmt allerdings nicht.

Weitere Staffeln sind denkbar

Schon vor zehn Jahren lief „Berlin Calling“ mit Paul Kalkbrenner erfolgreich in den Kinos, erst jüngst widmete sich „Magical Mystery“ mit Charly Hübner dem frühen Techno. Christoph Schneider von Amazon Prime Video kann sich gut vorstellen, dass gerade die anhaltende Anziehungskraft der Berliner Clubszene das Publikum in aller Welt für „Beat“ interessieren könnte.

Die Serie wird in mehrere Sprachen fürs breite Publikum synchronisiert und dann auch weltweit veröffentlicht. Bei Erfolg sind weitere Staffeln denkbar. Gleichzeitig betonte Schneider: „Deutschland ist die Pflicht, das Ausland die Kür.“