Berlin - Eine Gruppe junger Menschen, alle so um die 30 Jahre alt, posiert an diesem Dienstagabend in der Audi City Berlin für ein Foto. Doch neben ihnen, in dem Autogeschäft am Kurfürstendamm, stehen keine blankgeputzten Wagen, sondern ein übermannshohes silbern glänzendes Ungetüm mit vier ausladenden Füßen und voluminösen Tanks – eine Mondlandefähre. Neben ihr duckt sich ein etwa handwagengroßes Gefährt mit dicken Rädern und einem kamerabestückten Roboterkopf: ein Mondfahrzeug. Beide sollen in etwa einem Jahr tatsächlich zum Mond fliegen. Und zwar als Projekt jener jungen Leute, die zu einem Berliner Unternehmen mit Sitz in Mahlsdorf gehören. Das Team heißt Part Time Scientists und startet das Projekt „Mission to the Moon“ gemeinsam mit dem Automobilhersteller Audi, seinem Kooperationspartner und Hauptsponsor.

Acht Jahre hat die Arbeit an den Raumfahrzeugen gedauert. Endlich nun konnte die Firma Part Time-Scientists am Dienstagabend verkünden, dass sie eine Trägerrakete gebucht hat. Und zwar über das private Raumfahrtunternehmen Spaceflight Industries in Seattle, Washington. Nun werden ihre Landefähre und ihr Rover wohl im Zeitraum von Ende 2017 bis Frühjahr 2018 von Cape Canaveral in Florida abheben, wahrscheinlich mit einer „Falcon 9“-Rakete des Unternehmens SpaceX. Fünf Tage später soll die Mondlandung stattfinden.

Eine Mond-Mission aus Mahlsdorf! Was wie ein Märchen klingt, ist nur eine weitere spektakuläre Geschichte in einer Entwicklung, die seit Jahren Fahrt aufnimmt. So wie vieles andere auf der Welt wird auch die Raumfahrt zunehmend entstaatlicht und kommerzialisiert. Private Unternehmen entwickeln Raketen und Projekte. Die US-Firma SpaceX zum Beispiel versorgt mit ihren Raumfähren die internationale Raumstation ISS, transportiert Satelliten ins All und entlastet damit auch die Nasa von Routineaufgaben.

Alles begann mit einem Wettbewerb

Für die jungen Berliner hatte alles mit einem Wettbewerb begonnen. Peter Diamandis, ein 1961 geborener US-amerikanischer Luftfahrtingenieur, war 1994 auf die Idee gekommen, private Raumfahrtprojekte zu fördern. Angeregt dazu hatte ihn die Geschichte von Charles Lindbergh, der 1927 als Erster in einem Flugzeug nonstop den Atlantik überquerte. Sein Langstreckenflugzeug hieß „Spirit of St. Louis“ – zum Dank für die privaten Geldgeber des Projekts, die aus St. Louis stammten.

Ähnliches wollte Diamandis, Sohn griechischer Einwanderer aus New York, auch für die Raumfahrt auf die Beine stellen. Und er gründete 1995 die X-Prize Foundation, um Spender zu finden. Zunächst förderte die Stiftung mit einem ausgelobten Preis den ersten privaten Weltraumflug überhaupt, 2004 mit dem Experimentalflugzeug „SpaceShipOne“. Im September 2007 schrieb Diamandis schließlich einen Preis aus, um die erste private Mondlandung zu fördern. Sponsor ist der US-Konzern Google. Aus diesem Grund firmiert der Wettbewerb unter dem Namen Google Lunar X-Prize.

Etwa 30 Millionen Dollar winken dem Team, das es bis Ende 2017 als erstes schafft, ein Landemodul und ein Fahrzeug zu entwickeln und sie sicher auf den Mond zu bringen. Dort soll der Rover mindestens 500 Meter zurücklegen und dabei Live-Bilder und Daten in hoher Qualität zur Erde schicken. Von den weltweit einigen Dutzend Teams, die sich bewarben, sind heute 16 noch im Rennen. Die Part Time Scientists aus Berlin gehören zu den Favoriten, neben zwei US-Teams sowie zwei Mitbewerbern aus Indien und Japan.