Klug, klüger, Berlin: In der Stadt arbeiten tausende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler daran, Grundlegendes zu erklären und die Welt zu verbessern. Jede Woche stellen wir einen von ihnen vor. Diesmal: Jan Philipp Junker vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in Berlin-Buch.

Herr Junker, woran arbeiten Sie gerade?

In meiner Gruppe versuchen wir zu verstehen, wie die Zellen Entscheidungen treffen: Wie wird gesteuert, ob eine Zelle eine Nervenzelle, eine Muskelzelle oder eine Hautzelle wird? Dafür entwickeln wir momentan eine Technik, die es uns erlaubt, die Stammbäume von Zellen zu bestimmen. Wir wollen für Tausende einzelne Zellen aus einem Organismus den Stammbaum und gleichzeitig den Zelltyp bestimmen.

Was bringt uns das?

Viele Krankheiten basieren auf Störungen von Zellstammbäumen. Das bekannteste Beispiel ist Krebs, wo die Kontrolle von Zellteilungen nicht mehr funktioniert. Aber auch viele andere Krankheiten gehen darauf zurück, dass wir zu viele oder zu wenige Zellen eines bestimmten Zelltyps haben, zum Beispiel Diabetes. Wenn wir Zellstammbäume und die grundlegenden Entscheidungsvorgänge in Zellen besser verstehen, können wir hoffentlich in der Zukunft gezielt neue Therapien entwickeln.

Wie könnte man die Welt sonst noch verbessern?

Ich bin mir sicher, dass die Organoid-Technologie in den nächsten Jahrzehnten die Medizin revolutionieren wird. Organoide sind im Reagenzglas gezüchtete Mini-Organe, die großes therapeutisches Potenzial haben. Man könnte einem Patienten Hautzellen entnehmen, gegebenenfalls einen Gendefekt reparieren und dem Patienten dann daraus eine neue Bauchspeicheldrüse oder ein anderes Organ züchten.