Klug, klüger, Berlin: In der Hauptstadt erforschen Tausende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler täglich Dinge, die das Leben besser machen. Jede Woche stellen wir in unserer neuen Interview-Reihe eine(n) von ihnen vor. Diesmal: Die Chemikerin Annika Bande (38) vom Berliner Helmholtz-Zentrum.

Frau Bande, woran arbeiten Sie gerade?

In meiner Forschung rechne ich am Computer ganz genau aus wie Atome, Moleküle und Nanoteilchen reagieren, wenn sie mit Licht, also mit Energie, bestrahlt werden. Im infraroten Licht beginnen sie  beispielsweise sich zu bewegen. Diese Art von Wärmezufuhr nutzen wir täglich beim Kochen. Im sichtbaren Licht erscheinen sie farbig, was man aus einem charakteristischen Spektrum ablesen kann. Oft werden durch Licht die Elektronen der Atome in Bewegung versetzt, was chemische Reaktionen auslöst oder zu einen Stromfluss führt. 

Was bringt uns das?

Weltweit stellen Chemiker immer neue, unbekannte Materialien her. Sie messen dann mit aufwendiger Technik charakteristische Spektren, um etwas über die Struktur der Materialien herauszufinden. Meine theoretisch berechneten Spektren spielen eine fundamentale Rolle bei der Interpretation der gemessenen Spektren. Sie wäre sonst teilweise unmöglich. Ich trage also zur Entwicklung neuer Materialien bei – etwa für Katalysatoren, die mithilfe von Licht Wasserstoff aus Wasser produzieren. Oder für die Solarzelle der Zukunft, bei der Nanoteilchen Licht in Strom umwandeln.

Wie könnte man die Welt sonst noch verbessern?

Ich halte es für besonders aussichtsreich, wenn Forscher interdisziplinär zusammenarbeiten. Beispielsweise können Chemiker immens von Kooperationen mit Informatikern profitieren, in denen sie Methoden der Datenwissenschaften nutzen, um etwa intelligente Algorithmen für die Suche nach neuen Materialien mit Wunscheigenschaften zu entwickeln. Bei aller Innovation in der Forschung ist es jedoch gleichzeitig wichtiger als je zuvor, die fundamentalen Grundlagen in allen Fachdisziplinen besser zu verstehen und an den Universitäten an die Wissenschaftler von morgen weiterzugeben.

Das Gespräch führte Anne Brüning.