München - Carlo Ancelotti saß bei der Weltpremiere der außerirdischen Art leibhaftig in einem abgedunkelten Raum. Plötzlich tauchten wie von Zauberhand Jürgen Klopp und Diego Simeone auf den Plätzen neben dem Bayern-Trainer auf. Als lebensecht aussehendes Hologramm. Das Ganze war kein Science-Fiction-Film, sondern die Pressekonferenz vor ein paar Tagen zum im August anstehenden Audi-Cup. „Schon ein bisschen strange. Ich hab’ ja ‚Raumschiff Enterprise‘ geguckt und komme mir vor, als wäre ich nach München gebeamt worden“, sagte Jürgen Klopp, Trainer des FC Liverpool.

Leistungsdaten in Echtzeit

Er wurde allerdings aus England zugeschaltet, Diego Simeone aus Spanien. Die beiden Hologramm-Trainer beantworteten dann die Fragen der geflashten Journalisten ganz selbstverständlich wie in einer klassischen Pressekonferenz, auch Mimik und Gestik der beiden Trainer waren klar zu erkennen. „Das ist nicht so unterschiedlich zu einer normalen Pressekonferenz, tatsächlich nah an der Realität. Ich schaue halt nur in eine Kamera“, erzählte Klopp. Bayern-Trainer Ancelotti erkannte sofort den praktischen Nutzen: „Dadurch gewinnen wir Zeit. Wir können mehr Pressekonferenzen so machen.“

Tatsächlich hält die Technologie der Zukunft im Profifußball längst Einzug. Sascha L. Schmidt, Leiter des Center for Sports and Management (CSM) an der Otto Beisheim School of Management, sieht den Profifußball an der Schwelle zur dritten Phase der digitalen Transformation. „Hier halten das Internet der Dinge, Wearables und Sensoren Einzug. Hinzu kommen Augmented und Virtual Reality, künstliche Intelligenz und Maschinenlernen. Es tun sich dabei gerade für den Fan ganz neue Möglichkeiten auf. „Bei globalen Fußballmarken wie Real Madrid, FC Barcelona, Manchester United, Bayern München oder Borussia Dortmund hat schließlich nur ein Bruchteil der Anhänger die Gelegenheit, ein Spiel im Stadion live zu sehen. Hier kann beispielsweise Virtual Reality auch die Fans in den USA oder Asien relativ nah an das Live-Erlebnis heranrücken.“ Dazu müssten die Fans eine klobige Brille aufsetzen, die richtige App auf ihrem Smartphone starten und erhielten dann das Gefühl, ganz nah dran zu sein am tatsächlichen Geschehen auf dem Spielfeld.

Als sich Japan für die Austragung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 bewarb, versprachen die Macher auch eine Projizierung in 3D in andere Stadien. Das Land der aufgehenden Sonne erhielt allerdings den Zuschlag nicht. Doch Experten vor allem in Asien und den USA arbeiten an Lösungen, damit die großen Spiele in den Mannschaftssportarten weltweit attraktiv präsentiert werden können. Schließlich geht es speziell für die großen Klubs, Stars und Verbände darum, die durch Internationalisierung, Digitalisierung und E-Commerce rasant steigenden Umsätze weiter in die Höhe zu treiben.

Und dann ist da noch der Umgang mit den Daten. Experten gehen davon aus, dass es über Smartphone-Apps, Datenbrillen oder spezielle Kontaktlinsen künftig möglich sein wird, die Leistungsstatistiken jedes einzelnen Spielers in Echtzeit abzurufen zu können. Möglich macht das die technische Hochrüstung bei den Topklubs. Schon heute laufen die Spieler im Training mit GPS-Westen über den Platz, die ihre Laufwege genau aufzeichnen können. Hautfolien könnten in Zukunft den Herzschlag messen, Spieler sogar einen Mikrochip verschlucken oder implantieren lassen. Big Data ist schon jetzt nicht mehr wegzudenken aus dem Profifußball, aber die Angaben werden noch präziser und umfangreicher werden. Mikrokameras, Sensoren und Wearables können jederzeit alle Leistungsdaten aufnehmen, Laufwege und Spielzüge lassen sich über Drohnen erfassen und später im Büro auswerten.

Intelligente Ballmaschinen

Klubs wie die TSG Hoffenheim oder Borussia Dortmund arbeiten schon seit längerem mit sogenannten Footbonauten. Das sind kleine Fußball-Arenen mit intelligenten Ballmaschinen, die unter Laborbedingungen technische und reaktive Fähigkeiten der Spieler messbar und vergleichbar machen. Das eröffnet beispielsweise im Transfergeschäft den Zugriff auf objektivierbare Parameter. „Man muss kein Prophet sein, um zu sagen, dass Klubs, die solche technischen Möglichkeiten nicht nutzen, künftig das Nachsehen haben werden“, sagte Experte Schmidt im Gespräch mit der Website digtator.de.

In den USA sind einige der Zukunftstechnologien bereits Realität für die Fans. In der Stadion-App von Kansas City kann man Statistiken abrufen und die Halbzeit-Ansprache des Trainers live aus der Kabine verfolgen. Bei den San Francisco 49ers können Fans über Augmented Reality virtuell mit den Spielern interagieren. Diese werden selbst immer mehr zur Marke: Auch das ist ein Trend.