Nehmen wir nur die Inklusion. Über sie konnte man in den vergangenen Wochen viel lesen. Inklusion klingt kalt und tot. Der Mineraloge bezeichnet damit den Einschluss (lateinisch: inclusio) eines Fremdstoffs in ein Mineral. In der Bildung dagegen geht es hier um etwas ganz Lebendiges: das Miteinander-Lernen von behinderten und nicht-behinderten Kindern. Doch offenbar reicht diese Beschreibung für die pädagogische Debatte nicht aus.

Denn wenn man zum Beispiel einfach sagt, dass behinderte Kinder in einer Klasse mit anderen lernen sollten, könnte man ja meinen, dass sie sich unterordnen oder gar verleugnen müssten. Inklusion aber bedeutet, dass behinderte Kinder unter Wahrung ihrer Eigenarten und Besonderheiten einbezogen, ja „einbeschlossen“ werden sollen, wie es auf einer Internetseite heißt.

So richtig es ist, dass man genau zu erfassen versucht, was man meint, so befremdend und irritierend sind solche technisch-kalten Begriffe in der alltäglichen Bildungsdebatte. Und sie verselbständigen sich. Fachleute reden irgendwann nur noch in ihrem Spezial-Mix von Begriffen, so dass man bald nicht mehr glaubt, dass es um Menschen geht.

Zum Beispiel wird in der Bildungsdebatte auch noch immer ganz selbstverständlich der Begriff Selektion verwendet. Er meint die in Deutschland besonders frühe Verteilung von Kindern auf verschiedene Schularten, etwa das Gymnasium und die Hauptschule. Er wird gewiss auch kritisch genutzt, weil Kinder in Deutschland beim Zugang zu höherer Bildung aufgrund ihrer sozialen Herkunft systematisch benachteiligt werden.

Doch wie unpassend dieses einst von Darwin für die natürliche Auslese geprägte Wort heute generell ist, scheint kaum jemandem klar zu sein, dem es noch immer von der Zunge geht, als habe es nicht seine grässliche Wandlung in der Nazizeit erfahren. Der Autor Bruno Preisendörfer nannte es einmal das „scheußliche Rampenwort der Pädagogik“. Er vermutete, dass dahinter nicht nur eine Nachlässigkeit, sondern ein Prinzip stecke. Die frühe Aufteilung der Kinder und damit die Reproduktion von Ungleichheit sei kein Versehen des Bildungssystems, sondern ein Teil seiner Aufgabe.

Das ist ein harter Vorwurf. Die technokratische Wortwahl trägt aber nicht dazu bei, ihn zu entschärfen.