Biotechnologe Uwe Marx: Dieser Forscher könnte tausend Tiere retten

Mehr als 400.000 Tiere mussten im vergangenen Jahr in Berliner Laboren für die Forschung sterben. Regelmäßig rufen Tierschützer zu Demonstrationen auf, denn nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Tierversuche wie in der Hauptstadt. Einer, der das ändern könnte, ist Uwe Marx.

Der Berliner Biotechnologe, 50 Jahre alt, forscht an der Technischen Universität (TU) an einem künstlichen menschlichen Organismus, an dem in Zukunft neue Medikamente, Chemikalien und Kosmetika getestet werden sollen. An diesem Donnerstag bekommt er für seine Multi-Organ-Chips den Tierschutzforschungspreis 2014 des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.

Schon früh hatte Uwe Marx die Idee, menschliche Organe wie Leber, Lunge oder Haut zu imitieren, allerdings nicht in der Gestalt wie man sie kennt, sondern 100.000 Mal kleiner: als winzige Zellklümpchen. Diese Häufchen setzt er auf eine Unterlage nicht größer als eine Kreditkarte und verbindet sie mit mikroskopisch kleinen Adern, durch die er einen blutähnlichen Stoff fließen lässt – wie in einem richtigen Körperkreislauf.

Das hielt vor ein paar Jahren noch keiner für möglich. Uwe Marx ließ sich von den Skeptikern nicht beirren. In der Zeit nach seiner Promotion an der Berliner Charité gelang es ihm, einen künstlichen Lymphknoten zu entwickeln. Um seine Vision vom menschlichen Organismus auf einem Chip zu verwirklichen, gründete er im Jahr 2009 das Start-up TissUse in Spreenhagen bei Berlin, das eng mit dem Institut für Biotechnologie der TU zusammenarbeitet.

Mittlerweile ist es Marx und seinen Kollegen gelungen, zwei Mini-Organe zusammenzuschließen – zum Beispiel Haut und Immunsystem. „Wenn man einen Stoff dazugibt, reagiert die Haut“, sagt Marx, „sie wird zum Beispiel rot“. Auch eine künstliche Leber und eine funktionierende Niere im Mikroformat ist den Wissenschaftlern schon gelungen. Mittlerweile liefern sie sich einen Wettbewerb mit amerikanischen Forschern, die an ähnlichen Modellen arbeiten. „Wir sind aber schneller“, sagt Marx, leicht berlinernd.

Die 2-Organ-Chips sind seit diesem Jahr am Markt. Das Interesse der Industrie sei groß. Marx’ Ziel ist es, mindestens zehn Organe auf einen Chip zu vereinen, um auf diese Weise die Biochemie des Körper im Wesentlichen zu imitieren. „Damit ließe sich ein Großteil aller Tierversuche in Zukunft ersetzen“, sagt der Forscher. Der 10-Organ-Chip soll 2017 fertig sein.