Kairo/KopenhagenDie Analyse jahrtausendealter Papyri enthüllt Details zur Tintenproduktion im Alten Ägypten. Demnach setzten die damaligen Hersteller verschiedenen Farben Blei zu, um das Trocknen zu beschleunigen. Diese Nutzung von Blei war bisher für Ölgemälde der Renaissance im 15. Jahrhundert bekannt, betont das europäische Team um Thomas Christiansen und Marine Cotte von der Universität Kopenhagen.

Der älteste Beleg für die Nutzung von Tinte stammt aus Ägypten und ist etwa 5200 Jahre alt. Dort wurden für Schriften vor allem schwarze und rote Tinten verwendet. Sie basierten auf Ruß und Ocker, vermischt mit Zusätzen wie Arabischem Gummi als Bindemittel und mitunter auch Knochenleim, Pflanzenöl oder Essig. „Die Mischung wurde dann getrocknet und in Kugeln gepresst, die die Schreiber mit sich tragen konnten“, schreibt das Team in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften („PNAS“). Bei Bedarf konnten die Schreiber die Kugeln dann in Wasser lösen.

Die Eigenschaften der Tinte analysierten die Forscher an zwölf Papyri aus dem 2. Jahrhundert vor Christus durch Röntgenfluoreszenz (XRF). Die Schriften stammen aus der Tempelbibliothek von Tebtunis, einer etwa 100 Kilometer südwestlich von Kairo gelegenen Ruinenstadt. Zehn Proben der roten Tinte und drei Proben der schwarzen Tinte enthielten Blei.

Ein Papyrusfragment aus einer astrologischen Abhandlung (inv. P. Carlsberg 89) aus der Tebtunis-Tempelbibliothek und Röntgenfluoreszenzkarten, die die Verteilung von Eisen (rot) und Blei (blau) in den roten Buchstaben zeigen. Dort steht das altägyptische Wort für „Stern“ geschrieben.
Foto: dpa/The Papyrus Carlsberg Collection and the ESRF

„Die Eisen-basierten Verbindungen in der roten Tinte stammen höchstwahrscheinlich von dem natürlichen Erdpigment Ocker, denn das Eisen wurde zusammen mit Aluminium und dem Mineral Hämatit gefunden, die in Ocker vorkommen“, wird Koautorin Sine Larsen aus Kopenhagen in einer Mitteilung ihrer Uni zitiert. „Die Bleiverbindungen tauchen sowohl in der roten als auch in der schwarzen Tinte auf, aber wir haben keine typischen Blei-basierten Pigmente zum Färben der Tinte gefunden. Deshalb gehen wir davon aus, dass diese besonderen Bleiverbindungen genutzt wurden, um die Tinte zu trocknen.“

In der Antike verwendete Bleipigmente sind etwa das rötliche Minium und Bleiweiß. Auch weil die Bleizusätze die Lesbarkeit der Tinte nicht erhöhten, gehen die Forscher davon aus, dass sie zum schnelleren Trocknen beigemischt wurden.

Blei wurde im Spätmittelalter in Europa bei den damals aufkommenden Ölgemälden als sogenanntes Sikkativ eingesetzt, um die Ölfarben zu härten. Die Studie deutet nun darauf hin, dass die Ägypter diese Möglichkeit schon eineinhalb Jahrtausende früher erkannten und gezielt nutzten, um ein Verschmieren der Tinte zu verhindern.

Der Ägyptologe Christiansen verweist darauf, dass Orte wie die Tempelbibliothek von Tebtunis große Mengen von Tinte – und den dafür nötigen Rohstoffen – verbrauchten. „Wir gehen davon aus, dass die Priester sie entweder erworben oder ihre Herstellung in spezialisierten Werkstätten beaufsichtigt haben – ähnlich wie die Maler der Renaissance.“ (dpa/fwt)