Die neue Bluetooth-Generation soll noch mehr Einsatzmöglichkeiten für Kopfhörer bieten.
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BerlinIn der schnelllebigen Technik-Branche gilt der Funkstandard Bluetooth als steinalt. Vor mehr als 20 Jahren starteten der schwedische Technikkonzern Ericsson und der Chipriese Intel eine Initiative, um mit der neuartigen Funktechnologie die Kabelverbindungen überflüssig zu machen. 1998 stiegen auch der damalige Mobilfunk-Marktführer Nokia und die zu der Zeit führenden Laptop-Hersteller Toshiba und IBM ein und verhalfen der Idee endgültig zum Durchbruch.

Neues Audioformat: Bluetooth LE Audio

In der vergangenen Woche wurde auf der Technik-Messe CES in Las Vegas eine komplett neue Architektur vorgestellt, die die nächsten 20 Jahre Audio-Innovationen ermöglichen soll. Kern der Erneuerung ist ein neues Audioformat mit dem Namen „Low Complexity Communication Codec“ (LC3).

LC3 reduziert gleichzeitig den Stromverbrauch und erhöht die Audioqualität. Bessere Kompressionsverfahren, die unter anderem vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS entwickelt wurden, sorgen dafür, dass Audioübertragungen selbst bei niedrigen Bitraten besser klingen als das alte Format mit hohen Bitraten.

Der neue Standard wird unter dem Markennamen „Bluetooth LE Audio“ auf den Markt kommen – die Abkürzung LE steht für „Low Energy“, also niedrigen Stromverbrauch. Auf dem Fundament „LE Audio“ können nun ganz neue Anwendungen entwickelt werden.

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So können künftig Hörgeräte Bluetooth unterstützen. Damit könnten Telefonate vom Smartphone direkt an Hörgeräte übertragen werden – oder Audio-Signale eines Fernsehers. Möglich ist auch, dass Bluetooth-Geräte Audioverbindungen zu mehr als einem Kopfhörer oder Lautsprecher aufnehmen können. Was auch gehen wird: Dass Flugreisende am Gate sich auf das Audio-Signal eines Fernsehers einwählen, der bislang lautlos vor sich herläuft.

Übertragung an unbegrenzte Zahl an Geräten

Apple unterstützt mit seinen populären AirPods bereits Audio-Sharing, allerdings können sich nur zwei Personen das Signal teilen. Diese Beschränkung soll es künftig nicht mehr geben. Damit kann Musik oder Sprache an eine theoretisch unbegrenzte Zahl von Geräten übertragen werden.

Etwa vom Smartphone an alle Freunde in der Nähe. In Museen oder anderen öffentlichen Einrichtungen ist es mit „Broadcast Audio“ möglich, Besucher zu erreichen. Die Audio-Streams können entweder öffentlich wie ein kleiner Radiosender ausgestrahlt werden oder als privater Stream durch ein Passwort geschützt – ähnlich wie bei einem WLAN-Netz.


Erinnerung an König Blauzahn

  • Der Name: „Bluetooth“ leitet sich vom dänischen König Harald Blauzahn (englisch Harald Bluetooth) ab, der verfeindete Teile von Norwegen und Dänemark vereinte. Das Logo zeigt ein Monogramm altnordischer Runen.
  • Die Erfinder: Die Funkverfahren wurden in wesentlichen Teilen durch den niederländischen Professor Jaap Haartsen und den Schweden Sven Mattisson für Ericsson entwickelt. Andere Teile wurden vor allem von Nokia und Intel ergänzt.
  • Die Bedeutung: Bluetooth bildet eine Schnittstelle, über die sowohl mobile Kleingeräte wie Mobiltelefone als auch Computer miteinander kommunizieren können. Hauptzweck von Bluetooth ist das Ersetzen von Kabelverbindungen.

Die Fortschritte bei der Audio-Übertragung werden die Position von Bluetooth weiter stärken. „Letztlich wird es nur noch drei Funkstandards geben: Mobilfunk, WiFi und Bluetooth“, ist sich Ken Kolderup von der Bluetooth SIG sicher. Langsam verschwinden würden die Infrarot-Übertragung, DECT für schnurlose Telefone und Smart-Home-Funkverfahren wie Zigbee.

Bedenken bezüglich des Strahlenschutzes

Die Erfolgsgeschichte von Bluetooth kennt allerdings nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen. So wird das Koppeln von Bluetooth-Geräten von vielen Anwendern noch als sehr fummelig empfunden. Manche Hersteller versuchen, diese Klippe dadurch zu umschiffen, dass sie alle Sicherheitsfeatures ausschalten, um ein leichtes „Pairing“ zu ermöglichen.

Noch ein Kritikpunkt: „Der Trend zu portablen und mobilen Funkanwendungen führt insgesamt zu mehr Situationen, in denen man hochfrequenten elektromagnetischen Feldern ausgesetzt ist“, stellte das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) fest.

Zwar gibt es bisher noch keine Erkenntnisse für gesundheitlichen Risiken, trotzdem rät die Behörde, die Zahl der elektromagnetischen Felder so gering wie möglich zu halten. Deshalb sollte man Kabelverbindungen bevorzugen, wenn auf Drahtlostechnik verzichtet werden kann.

Gefahr der Sicherheitslücken

Und dann gibt es noch Sicherheitslücken. Auf dem jüngsten Kongress 36C3 des Chaos Computer Clubs in Leipzig wies die Forscherin Jiska Classen auf signifikante Sicherheitslücken in Bluetooth-Anwendungen hin. Bedenklich sei, dass man Bluetooth wegen der Audio-Anwendungen auf dem Smartphone oder Nutzungsszenarien im Internet der Dinge (IoT) immer aktiv habe.

Damit könne sich jeder jederzeit damit verbinden, auch wenn es nur im Hintergrund laufe, sagte die Forscherin vom Secure Mobile Networking Lab der Technischen Universität Darmstadt. „Die Bequemlichkeit von Bluetooth birgt ein großes Angriffspotenzial“, warnte Classen.

Jiska Classen spricht über die Gefahren gefahrloser Kommunikation.

Quelle: YouTube/media.ccc.de

Die Sicherheit von Bluetooth hänge stark von der Sicherheit des Chips ab, und dieser müsse dafür Firmware-Updates erhalten, welche die Hersteller aber nur sehr langsam und für ältere Geräte gar nicht zur Verfügung stellten. „Bei einem Smartphone heißt alt in diesem Fall häufig schon zwei bis drei Jahre.“