BMW rechnet mit steigenden E-Auto-Verkaufszahlen.
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MünchenBMW bereitet sich auf steigende Verkaufszahlen für Elektroautos vor. Doch anders als die Konkurrenz will der Konzern vorerst ohne eigene Batterieproduktion auskommen. Während VW zusammen mit Northvolt eine Fabrik in Salzgitter bauen will und Tesla für sein Berliner Werk eine „Gigafactory“ ankündigt, will BMW die benötigten Batteriezellen weiter bei den Spezialisten einkaufen - das aber im großen Stil.

Deshalb hat der Premiumhersteller nun Aufträge für Batteriezellen um Umfang von über sechs Milliarden Euro neu vergeben. „Damit sichern wir langfristig unseren Bedarf an Batteriezellen“, sagt BMW-Einkaufschef Andreas Wendt. Für 3,3 Milliarden Euro kaufen die Münchner beim chinesischen Lieferanten CATL ein, der gerade ein Batteriezellwerk im thüringischen Erfurt errichtet. Das setzt auf bestehende CATL-Bestellungen im Volumen von vier Milliarden Euro auf. Beim südkoreanischen Zweitlieferanten Samsung ordert BMW jetzt Batteriezellen für 2,9 Milliarden Euro neu. In der Summe bestehender und neuer Verträge ergibt das ein Einkaufsvolumen von 10,2 Milliarden Euro.

Prototypen dienen Lieferanten als Muster

Das soll die Elektroautoproduktion bei BMW bis 2031 abdecken. Jede Zellgeneration vergeben die Bayern dabei in den technologisch und betriebswirtschaftlich führenden Zellhersteller. Wer das ist, glaubt BMW durch eigene Zellforschung im soeben für 200 Millionen Euro gebauten und konzerneigenen Batteriezentrum ermitteln zu können. Dort werden auch Prototypen gebaut, die Lieferanten als Muster dienen. „So haben wir zu jeder Zeit Zugang zur bestmöglichen Zelltechnologie“, sagt Wendt zur Strategie.

Die unterscheidet sich grundsätzlich von der bei VW. Die Wolfsburger wollen in Salzgitter Batteriezellen in einer eigenen Fabrik bauen, was BMW bislang nicht plant. Die Bayern lassen sich aber eine Hintertür offen. „Ob wir Zellen zu einem späteren Zeitpunkt selber in Serie produzieren, hängt maßgeblich von der Entwicklung des Lieferantenmarkts ab“, sagt Wendt. Hochziehen könne man eine solche Fertigung notfalls binnen gut zwei Jahren, sagen Experten im eigenen Haus. BMW nimmt für sich in Anspruch, die Wertschöpfungsprozesse bei der Zellfertigung vollständig zu analysieren und zu verstehen.

Ob wir Zellen zu einem späteren Zeitpunkt selber in Serie produzieren, hängt maßgeblich von der Entwicklung des Lieferantenmarkts ab.

BMW-Einkaufschef Andreas Wendt

Außerdem kauft BMW für den Batteriebau kritische Rohstoffe wie Kobalt selbst in nachweisbar nachhaltig abbauenden Minen in Australien und Marokko ein und verpflichtet CATL sowie Samsung dazu, nur diese Materialien zu verwenden. Aus dem Kobalt-Hauptabbauland Kongo bezieht BMW keinen Rohstoff, weil dort oft sehr umweltschädlich und auch mittels Kinderarbeit geschürft wird. Mit Lithium kauft BMW auch einen anderen wichtigen Batterierohstoff selbst ein.

Ab der bei BMW fünften Generation von Elektroantrieben, die ab 2021 in Stromer eingebaut wird, haben die Münchner zudem einen Weg gefunden, komplett ohne seltene Erden auszukommen. „Damit machen wir uns unabhängig von deren Verfügbarkeit“, erklärt Wendt. Die Zelltechnologie erforscht BMW mit dem schwedischen Batteriespezialisten Northvolt und dem belgischen Materialexperten Umicore. Bis Ende dieses Jahres soll rund eine halbe Million elektrifizierter BMW auf den Straßen der Welt fahren. Bis 2025 soll der Absatz dann jährlich um knapp ein Drittel steigen.