Griechenland ist extrem reich – leider nur aus botanischer Sicht. 5.752 Pflanzenarten wachsen in dem Mittelmeerland, 1.278 davon finden sich sogar ausschließlich dort. Damit zählt Griechenland zu einem der Hotspots der Artenvielfalt weltweit und zu einem der artenreichsten Länder Europas, berichten Forscher um Thomas Raus vom Botanischen Garten und Botanischen Museum der Freien Universität Berlin in Dahlem.

Die Erforschung der Flora Griechenlands ist ein traditioneller Forschungsschwerpunkt der Dahlemer Einrichtung. Zusammen mit sieben Kollegen aus Griechenland, Dänemark und Deutschland hat Raus im Rahmen eines drei Jahre währenden Projekts alle griechischen Pflanzenarten in einer sogenannten Checkliste erfasst, die nun als Fachbuch unter dem Titel „Vascular Plants of Greece: An annotated checklist“ erscheint. Die reich bebilderte Checkliste zeigt den aktuellen Wissensstand über alle Farne und Blütenpflanzen Griechenlands. Sie gibt Auskunft darüber, in welcher Region Griechenlands die jeweilige Art zu finden ist und wie sie außerhalb des Landes verbreitet ist.

Die orange, gelb oder rot blühende Orphanides-Tulpe zum Beispiel wächst nur auf dem Peloponnes – in Höhen von 700 bis 1600 Metern. Die Rote Türkenbund-Lilie ist einer der fünf in Griechenland heimischen Lilien. Sie findet sich vereinzelt auch in Albanien. Bis nach Südwest-Anatolien ist die Kretische Dattelpalme verbreitet – eine der einzigen beiden in Europa  heimischen Palmenarten.

„Griechenland bietet von seinen fast 3000 Meter hohen Gebirgen bis zu den vielen Inseln mit langer Isolationsgeschichte überaus vielfältige Lebensräume mit jeweils ganz unterschiedlichem Lokalklima“, schreibt das Team um Raus. Dadurch sei die Entstehung neuer Arten besonders begünstigt worden. Die Inselwelt der Ägäis gelte gewissermaßen als Feldlabor der Evolution. Die Forscher hoffen, mit ihrer Liste zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Griechenland beizutragen.