Es gibt nur wenige Momente, vor denen sich die meisten Frauen gleichermaßen fürchten. Eine Diagnose auf Brustkrebs, wie sie Manuela Schwesig, die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, gerade erlebt hat, ist ein solcher Moment. 69.000 Frauen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Brustkrebs, Vor- und Frühformen nicht eingerechnet. Damit ist Brustkrebs, also bösartige Tumore in der Brust, hierzulande mit weitem Abstand die häufigste Krebserkrankung für Frauen.

Mit dem Alter steigt das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken

Die Zahlen sind nicht jedem präsent, aber im Grunde weiß man, dass das Risiko für eine Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs zu erkranken sehr hoch ist. In Deutschland ist jede achte Frau betroffen. Das Risiko ist allerdings nicht in jedem Alter gleich hoch. Nach Informationen des Deutschen Krebsforschungszentrums muss im Alter von 35 Jahren eine von 110 Frauen damit rechnen, innerhalb der nächsten zehn Jahre zu erkranken. Mit 45 ist es eine von 47, mit 55 erhält innerhalb der nächsten zehn Jahre eine von 31 Frauen die Diagnose. Mit 65 Jahren ist das Risiko am höchsten: Eine von 27 Frauen wird bis zum Alter von 75 betroffen werden. Danach sinkt das Risiko zumindest statistisch wieder leicht ab. Es gibt erbliche Faktoren, Hormone beeinflussen das Risiko, aber auch der Lebensstil. Alkohol, Bewegungsmangel und Übergewicht wirken sich negativ aus.

Häufiger als bei anderen Krebsarten trifft es jüngere Frauen. „Fast 30 Prozent der betroffenen Frauen sind bei Diagnosestellung noch jünger als 55 Jahre – ein Alter, in dem die meisten anderen Krebserkrankungen zahlenmäßig noch kaum eine Rolle spielen“, teilt das Robert Koch Institut mit. Trotz der langfristig deutlich gestiegenen Erkrankungszahlen sterben heute weniger Frauen an Brustkrebs als noch vor 20 Jahren. Durch Fortschritte in der Therapie haben sich die Überlebenschancen für die Betroffenen verbessert.

Mammographie-Screening erkennt Erkrankung früher

Inwieweit das Mammographie-Screening die Sterblichkeit an Brustkrebs zusätzlich verringert hat, lasse sich derzeit noch nicht zuverlässig beurteilen, so das Robert Koch Institut. Die Einladung zu dieser Röntgenuntersuchung geht an alle Frauen im Land zwischen 50 und 69 Jahren und kommt direkt nach dem 50. Geburtstag. Nach der Einführung des Screenings 2005 stiegen die Erkrankungszahlen in der entsprechenden Altersgruppe sprunghaft an, seit 2009 gehen sie wieder zurück. Das Koch-Institut sieht darin einen Beleg dafür, dass anfangs viele Tumore deutlich früher entdeckt wurden als ohne flächendeckende Untersuchung. Wahrscheinlich wurden aber auch Tumore diagnostiziert, die früher lebenslang unentdeckt blieben und auch keine Beschwerden verursachten.

Behandlungsmöglichkeiten gibt es viele. Operation, Bestrahlung, Chemo- und Hormontherapie kommen in Frage. Die Wahl sollte je nach Diagnose in einem spezialisierten Brustkrebszentrum getroffen werden. Der Informationsdienst des Krebsforschungszentrums rät dazu, sich ausreichend Zeit zu nehmen, um sich über die Vielfalt der Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.

Auch für eine Entscheidung über den Alltag während und nach der Behandlung sollte man sich Zeit nehmen. Eine Erkrankung kann Anlass sein, sich mit der eigenen Lebensweise auseinander zu setzen: Ernährung und Bewegung, Familienplanung, psychische Verarbeitung, Arbeitsleben. In der Regel bereite man schon bei der Krankenhausentlassung oder während der Rehabilitation gemeinsam mit Fachleuten den Weg zurück an den Arbeitsplatz vor, so der Krebsinformationsdienst. Aber auch das muss man selbst entscheiden nach den eigenen Bedürfnissen und Befindlichkeiten ausrichten.