Eine typische Szene im Berufsverkehr: Ein Autofahrer setzt den Blinker, um auf einen Parkplatz oder ein Firmengelände abzubiegen. Er bremst und wartet, um nahende Fußgänger oder Radfahrer vorbeizulassen. Der Fahrer hinter dem abbiegenden Auto muss ebenfalls abbremsen und warten. Und da dem durchschnittlichen deutschen Autofahrer – oft die Weitsicht – und eigentlich immer die Geduld fehlt, drückt er kräftig auf die Hupe. Und genau das ist verboten.

Lesen Sie hier, wann Autofahrer die Hupe wirklich benutzen dürfen und vor allem wann nicht. Rechtsexperte Hannes Krämer vom Auto Club Europa (ACE) klärt auf.

Ist die Nutzung der Hupe gesetzlich vorgeschrieben?

Ja, um die Hupe im Straßenverkehr zu nutzen, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Laut Paragraph 16 der Straßenverkehrsordnung (StVO) darf nur derjenige „Schall- und Leuchtzeichen“ geben, der außerhalb „geschlossener Ortschaften überholt“ oder „wer sich oder Andere gefährdet sieht.“

Wichtig: Wer sich nicht an das Gesetz hält, muss mit einem Bußgeld von fünf bis zehn Euro rechnen.

Es ist sogar gesetzlich vorgeschrieben, wie sich eine Hupe anhören muss. In Abschnitt 3 des 16. Paragraphen heißt es: „Schallzeichen dürfen nicht aus einer Folge verschieden hoher Töne bestehen.“

Dürfen Autofahrer hupen, wenn jemand nicht losfährt?

Die Situation bringt viele Autofahrer auf die Palme: Die Ampel springt auf Grün, doch der Fahrer des vorderen Wagens ist mit den Gedanken ganz woanders, oder spielt mit seinem Handy rum. Darf man solche trödelnden Verkehrsteilnehmer per Hupe freundlich zum Losfahren animieren? „Nein. Das ist lediglich als Bequemlichkeit oder als Komforteinbuße zu werten“, erklärt Krämer.

Darf ein Autofahrer Fußgänger anhupen, die über rote Ampeln gehen?

Auch das ist eine Situation, die Autofahrer all zu gut aus dem Alltag kennen: Die Ampel für Fußgänger ist schon wieder auf Rot umgesprungen, doch ein besonders eiliger Passant rennt noch über die Straße. Dürfen Autofahrer ihn anhupen? „Ja, wenn er sich oder andere gefährdet sieht. Zum Beispiel wenn ein Auto Richtung Ampel fährt und eine Schädigung des Fußgängers droht“, so der Rechtsexperte.

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