Viele Menschen in Deutschland sind krankhaft übergewichtig. Sie leiden an Adipositas, wie der Fachbegriff lautet. Wer zum Beispiel bei einer Körpergröße von 1,70 Metern 90 Kilogramm wiegt, hat laut WHO-Definition bereits den ersten Grad von Adipositas erreicht. Dieser beginnt ab einem Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30. Bei Betroffenen mit einem BMI größer 40 – also 116 Kilogramm bei 1,70 Metern Körpergröße – kämen häufig erschwerend Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen dazu, heißt es in einer Mitteilung der Charité Berlin.

Sport, Medikamente, Diäten sind die Methoden der ersten Wahl, um dagegen vorzugehen. Wenn sie versagen, helfen nur noch chirurgische Maßnahmen, die Verkleinerung des Magens oder die Verkürzung des Darms. Jetzt hat die Charité ein neues Verfahren entwickelt, das besonders schonend und nebenwirkungsfrei sei, teilt das Klinikum mit. „Wir führen über den Mund einen Schlauch, ein flexibles Endoskop, bis zum Magen ein, wie bei einer Spiegelung“, sagt Ricardo Paiva Araújo dos Scheiba-Zorrón, der das Verfahren mitentwickelt hat. Über das Endoskop wird operiert, ein Schlauchmagen gebildet. Das Verfahren nennt sich auf Englisch: Endoscopic Sleeve Gastroplasty (ESG).

„Entlang des Magens setzen wir acht bis zehn Nähte, die das Volumen des Magens bis zu 70 Prozent reduzieren“, sagt der Mediziner. „Das Organ selber bleibt vollständig erhalten und die Operation dauert in den meisten Fällen nicht länger als eine Stunde.“ Die Patienten hätten ein geringes Komplikationsrisiko, keine Schnitte und Narben, weniger postoperative Schmerzen und könnten das Krankenhaus bereits nach zwei Tagen wieder verlassen.

Die minimal-invasive Methode samt Gerät wurde an der Klinik für Allgemein-, Visceral- und Transplantationschirurgie der Charité entwickelt. Sie sei geeignet für Patienten mit einem BMI zwischen 30 und 45, Diabetiker und mehrfach operierte Patienten, die nicht mehr durch den Bauch operiert werden können oder keine weiteren Operationen wünschen, erklärt die Charité. Auch Adipositas-Erkrankte, die älter als 55 Jahre alt seien, sowie Menschen, bei denen eine andere chirurgische Maßnahme zu riskant wäre, könnten mit dem minimal-invasiven Verfahren operiert werden. Das Ziel sei es, dass sich durch eine Reduktion des Magenvolumens schnell ein Sättigungsgefühl einstellt und das Gewicht dadurch deutlich sinkt. (BLZ)