In Berlin ist es dieser Tage wieder unerträglich heiß. Viele Menschen fühlen sich erschöpft und matt. Der Physiologie-Professor Hanns-Christian Gunga von der Berliner Charité warnt davor, die Hitze auf die leichte Schulter zu nehmen.

Herr Professor Gunga, derzeit erleben wir wieder eine Hitzewelle in Berlin. Ab wann ist es für den Körper zu heiß?

Wir produzieren selbst Wärme, die an die Umgebung abgegeben werden muss. Ab 27 Grad Celsius ist dieses System überfordert und wir fangen an zu schwitzen. Damit kann der Körper eine ganze Zeit lang seine Temperatur konstant halten. Klimaphysiologen schätzen Temperaturen ab 32 Grad als starke Wärmebelastung ein, ab 38 Grad sogar als extrem. Da geht es aber immer um die gefühlte Temperatur, nicht die messbare Außentemperatur. Die gefühlte hängt auch von der Luftfeuchte ab.

Wie schützt sich der Körper vor Hitze?

Er kann sich im Wesentlichen nur durch eine vermehrte Hautdurchblutung und durch Schwitzen abkühlen. Durch die erweiterten Gefäße sinkt der Blutdruck im ganzen Körper. Das Herz muss stärker und schneller pumpen. Für das Gehirn bleibt gleichzeitig etwas weniger Blut übrig. Das belastet den Kreislauf sehr. Beim Schwitzen werden zudem viel Flüssigkeit und Elektrolyte abgegeben. Dieser Verlust muss ständig ausgeglichen werden, sonst führt das zu verschiedenen Beschwerden wie etwa Kopfschmerzen.

Was passiert, wenn die Körpertemperatur trotz der Abwehrmaßnahmen steigt?

Es kommt zu Konzentrations- und Kognitionsschwächen, wodurch man etwa nicht mehr gut rechnen kann. Auch die motorischen Fähigkeiten lassen nach. Der Körper braucht im Innern eine Temperatur von 37 Grad. Schon bei 38 Grad lassen sich im kognitiven Bereich deutlich messbare Abweichungen feststellen. Bei 39 oder sogar 40 Grad Körpertemperatur kann man geistig kaum noch etwas leisten.

Warum ist der Körper auf eine Innentemperatur von 37 Grad angewiesen?

Bei 37 Grad arbeiten unsere Hormone und biochemischen Vorgänge optimal. Wenn die Körpertemperatur darunter sinkt, laufen viele dieser Prozesse zu langsam ab, wenn sie darüber steigt, zu schnell. Das ist eigentlich unglaublich. Unser Körper ist auf nur einen Grad Abweichung programmiert.

Andere Warmblüter haben eine ähnliche Körpertemperatur. Warum hat sich die Evolution auf einen Wert um 37 Grad Celsius eingependelt?

Generell ist es ein evolutionärer Vorteil, die Körpertemperatur unabhängig von der Umgebungswärme regulieren zu können. Säugetiere und Vögel können tag- und nachtaktiv sein, sich unterschiedlichste Lebensräume aneignen, weil sie so einen hohen Stoffwechsel haben. Echsen können das nicht und müssen sich die Wärme von außen zuführen. Ihr Vorteil ist jedoch, dass sie nicht regelmäßig essen müssen. Denn die Wärme wird vor allem durch den Stoffwechsel erzeugt. Auf etwa 37 Grad hat sich die Evolution wohl deshalb eingependelt, weil sich bei höheren Temperaturen vermehrt Sauerstoffradikale bilden, die die Membranen der Zellen schädigen.

Haben Sie noch einen Tipp, worauf man bei dieser Hitze achten sollte?

Vor allem darauf, regelmäßig zu trinken. Bei 70 Kilogramm Körpergewicht mindestens 2,5 Liter am Tag. Am besten Mineralwasser – oder eine Schorle, da sind dann auch ein paar Salze, Elektrolyte und etwas Zucker dabei. Alkohol ist bei Hitze keine gute Wahl, denn er hemmt ein Hormon, das Flüssigkeit von der Niere in den Körper zurückführt. Dadurch dehydriert der Organismus schneller. Man sollte außerdem auf seine Mitmenschen achten.

In welcher Hinsicht?

Jetzt ist Nachbarschaftshilfe gefragt, insbesondere bei älteren Menschen. Sie trinken oft zu wenig, weil das Durstgefühl mit dem Alter abnimmt. Außerdem können viele keine Wasserkästen mehr die Treppe hochtragen, manche nicht einmal eine Wasserflasche öffnen.