Krude Thesen und Verschwörungstheorien gab es schon immer. Dazu brauchte es nicht erst das sogenannte postfaktische Zeitalter, das in jüngster Zeit ausgerufen wurde. Allerdings gibt es neue Anlässe, sich damit zu beschäftigen. Im Gegensatz zu vergangenen Jahrhunderten verbreiten sich heute Inhalte augenblicklich und weltweit über die sozialen Netzwerke. Zum anderen nutzen bestimmte Leute bewusst dubiose Aussagen, um Stimmung zu machen.

Millionen Leute haben zum Beispiel Donald Trumps Twitter-Behauptung gelesen, das Konzept der globalen Erwärmung sei ein Schwindel der Chinesen, mit dem die US-Wirtschaft geschädigt werden soll. Kaum jemand wird dies glauben, zumal Trump auch wieder zurückruderte. Aber im Kern beinhaltet solch ein Satz genau das, was seit Jahrhunderten immer wieder als Verschwörungstheorie funktioniert.

Verschwörungstheorien sind Interpretationen gesellschaftlicher Ereignisse. Im Mittelalter hieß es zum Beispiel, die Juden hätten die Brunnen vergiftet und damit die Pest verursacht. Im 15. Jahrhundert waren es die Hexen, die im Bunde mit dem Teufel Naturkatastrophen und Krankheiten auslösten. Nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg beschuldigte man in Deutschland die Sozialisten, der Heimat im Auftrage des „Weltjudentums“ den Dolch in den Rücken gestoßen zu haben. Wer heute ins Internet blickt, sieht Verschwörungstheorien in Dutzenden Varianten.

Bilderberg, Nazi-Ufos und Mondlandung

Hunderttausende Nutzer interessieren sich für Youtube-Videos über Chemtrails, die angeblich im Studio inszenierte Mondlandung oder bestimmte dubiose Gruppen, die die Weltherrschaft anstreben oder anstrebten. Zu ihnen gehört die okkulte Vril-Gesellschaft, die einst übernatürliche Energien dafür genutzt haben soll, den Nationalsozialismus zu fördern. Im Bunde mit Außerirdischen vom Aldebaran seien fliegende Untertassen („Reichsflugscheiben“) gebaut worden, mit denen sich Nazis am Ende in die Antarktis absetzen konnten.

Viele interessieren sich auch für die jährlich stattfindenden Bilderberg-Konferenzen, bei denen Unternehmer, Politiker, Militärs und Wissenschaftler an vorher nicht bekannten Orten diskutieren. Diese informellen Verständigungsplattformen sollen in Wirklichkeit das wahre Machtzentrum der Welt bilden.

Nur eine Minderheit kennt die Wahrheit

Ein Problem beim Umgang mit solchen Theorien ist, dass es ja wirklich Verschwörungen gab und gibt. Beispiele sind der Mord an Cäsar und die Watergate-Affäre. Auch ein Staatsstreich ist das Ergebnis des Handelns einer verschworenen Gruppe. Diese ist aber meist klein und wirkt in einem historisch kurzen Zeitraum. Es widerspräche der Natur des Menschen, wenn nichts ans Licht käme von einer angeblich jahrzehntelang dauernden Verschwörung oder einer Täuschung mit unzähligen Beteiligten. Wie der florentinische Philosoph Niccolò Machiavelli (1469-1527) schrieb, drohe die Aufdeckung einer Verschwörung sogar bereits, „sobald die Zahl der Mitwisser drei oder vier übersteigt“.

Verschwörungstheoretiker dagegen sehen oft eine globale Bedrohung. Für sie sitzen eine weltweite Elite, Geheimbünde oder gar Außerirdische an den Hebeln der Macht. Diese täuschten die gesamte Öffentlichkeit und würden von Medien gedeckt. Nur eine Minderheit – nämlich die Verschwörungstheoretiker selbst – erkenne die Wahrheit und versuche, die Welt aufzuklären.

Dabei passieren die meisten verhängnisvollen Dinge auf der Welt gar nicht als Verschwörung, sondern vor aller Augen. Ein Beispiel: Wenige multinationale Konzerne kaufen weltweit Wasserquellen und Wassernutzungsrechte, vor allem in Ländern mit knappen Ressourcen. Der lebenswichtige Zugang zu Wasser, der ein Menschenrecht sein sollte, wird zu einem riesigen Geschäft, das am Ende nur wenige kontrollieren. Über solche Entwicklungen könnte sich jeder ganz offen informieren.

Vier Verschwörungstheorien auf dem Prüfstand: