Sie heißen Zhong Zhong und Hua Hua, sind acht beziehungsweise sechs Wochen alt und herrlich tollpatschig in ihren Bewegungen. Wie es sich für Babys gehört. Allerdings sind die beiden Javaneräffchen alles andere als normal, denn es handelt sich um die ersten Primaten, die mit der Kerntransfermethode geklont wurden, so wie vor gut zwanzig Jahren das berühmte Schaf Dolly. Forschern um Qiang Sun von der Nonhuman Primate Research Facility der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Schanghai ist dieser Coup gelungen. Sie berichten darüber im Fachmagazin Cell.

Formal sind es nicht die ersten geklonten Primaten. Bereits 1999 kam Tetra zur Welt. Ein Rhesusaffe, der das selbe Erbgut  besaß wie ein Artgenosse. Er war jedoch  einfach aus  Teilung der befruchteten Eizelle im Labor hervorgegangen,  ähnlich wie bei eineiigen Zwillingen.

Es gibt viele Embryonen, aber wenig Geburten

Klonen per Kerntransfer ist viel komplizierter. Dabei  entstehen aus  Körperzellen eines Spenders Individuen, die das gleiche Erbgut haben wie der Spender.  Dazu wird  eine Eizelle von ihrem Zellkern befreit, mit dem Kern der Spenderzelle fusioniert, im Labor zum Wachsen gebracht und von einer Leihmutter ausgetragen (siehe Grafik). Auf diese Weise entstanden auch Zhong Zhong und Hua Hua.

Der Aufwand war allerdings immens. 109 Embryonen erzeugten die Forscher per Kerntransfer,  79 davon wurden in Leihmütter übertragen,  sechs Schwangerschaften entstanden,  nur  zwei  Tiere  kamen lebend zur   Welt. Trotzdem machen die Forscher weiter. Sie planen nun, derartige Klone von nicht-humanen Primaten in Serie zu erzeugen. Sie sollen  als Tiermodelle in der biomedizinischen Forschung dienen.

Seit die Welt 1997 vom Klonschaf Dolly erfuhr, wurden 23 Tierarten geklont – darunter Schweine, Rinder, Pferde, Katzen und Hunde. Nur  Affen hatten  noch gefehlt im Zoo der kopierten Kreaturen. Forscher, die es versuchten, scheiterten immer wieder daran, das genetische Programm einer Körperzelle neu zu starten, wie es beim Kerntransfer der Fall ist. Nun ist diese kleine Sensation gelungen.

An Javaneraffen werden die meisten Versuche durchgeführt

Wissenschaftlich ist das spannend. An den  Javaneraffen zeigt sich, dass es  doch Wege gibt, die hohen biologischen Hürden, die es beim Klonen von Primaten gibt, zu überwinden. Die dichte Verpackung des Erbmaterials verhindert offenbar,  dass Faktoren aus der entkernten Eizelle ihre Wirkung entfalten und die DNA reprogrammieren, also wieder auf Embryonalentwicklung schalten. Die chinesischen Forscher injizierten in die fusionierte Eizelle  Substanzen, die das Erbgut wieder empfänglich für einen Neustart machen. Dieser Kniff hat zum Erfolg beigetragen.

Für die Forschung ist das auch praktisch, denn   Javaneraffen sind die am häufigsten in Tierversuchen eingesetzte Affenart.  „Über das Klonen lassen sich die Tiere nun gezielt genetisch verändern, was bisher schwierig war bei Makaken“, sagt Eckhard Wolf vom Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Javaneraffen  kommen etwa bei der Prüfung von neuen Medikamenten zum Einsatz, bevor diese an Menschen getestet werden. Genetisch einheitliche Tiere könnten die dafür benötigte Tierzahl verringern, sagt Stefan Treue vom Deutschen Primatenzentrum  in  Göttingen. „Bei diesen Prüfungen spielt die statistische Sicherheit der erhaltenen Aussagen eine große Rolle.“ Von genetisch variablen Versuchstieren, wie es sie bisher gibt, seien dazu größere Tierzahlen erforderlich als von  einheitlichen.

Ethisch gesehen sind die Versuche umstritten

Geklonte Affen, bei denen sich einzelne Gene nun gezielt verändern lassen, könnten außerdem dabei helfen, Erkrankungen des menschlichen Gehirns besser zu verstehen oder gar zu heilen.

Denn wenn es um das Gehirn geht, sind Versuche mit weniger hoch entwickelten Tierarten oft wenig aussagekräftig. „Das liegt daran, dass Teile der Erbinformation, die für diese Organe und Zellen zuständig sind, sich in der Evolution  der Tiere besonders schnell verändern“, sagt  Rüdiger Behr, der wie Treue am Deutschen Primatenzentrum  in Göttingen forscht.  

Ethisch sind die Versuche der Forscher aus Schanghai allerdings umstritten. Zwar betont das Team um Qiang Sun, dass es die internationalen Richtlinien für Tierversuche  einhält, die das NIH, die Gesundheitsbehörde  der USA, erarbeitet hat. Trotzdem  werfen die Experimente die Frage auf, wie weit das Klonen von nicht-humanen Primaten, wie Javaner- und Rhesusaffen, gehen sollte.  „Uns ist sehr wohl bewusst, dass künftige  Forschung  davon abhängt, dass Wissenschaftler strikt ethische Standards einhalten“, betont Suns Kollege Muming Poo.

Menschen klonen ist verboten

Allerdings gibt es weltweit nicht viele Institute, die überhaupt in der Lage sind, das Klonen von Affen voranzutreiben. „Das ist nur in den großen Primatenzentren möglich. Gerade das in China ist extrem gut mit Personal und anderen Ressourcen ausgestattet“, sagt der Münchner Klonexperte Wolf.

Menschenaffen oder gar  Menschen zu klonen, davon spricht zurzeit niemand.  Biologisch gesehen sei das neue Verfahren schon ein Schritt hin zum Menschen, sagt Primatenforscher Behr. Er stellt zugleich klar: „Das Klonen von Menschen und allein der Versuch dessen sind in Deutschland verboten.“ Auch global werde es seiner Einschätzung nach überwiegend sehr kritisch gesehen. Nach Ansicht von Eckhard Wolf gibt es auch keinen vernünftigen Grund, Menschen zu klonen: „Wenn jemand  das wirklich hätte machen wollen, wäre es vermutlich schon längst geschehen.“