Dreh den Sommer auf. Unbeschwertes Vergnügen am Strand oder auf dem Boot, so präsentiert sich die deutsche Coca-Cola GmbH in diesen Tagen. Und während hierzulande Musik und Lebenslust noch mit tiefdunkel gefärbter Coke zelebriert werden, wirkt das Kultgetränk auf der Homepage der Muttergesellschaft schon eigenartig ausgeblichen. Die Sonne wird’s nicht gewesen sein, die der Lebensmittelfarbe Zuckerkulör so zusetzt.

Die Company, die es in den 120 Jahren ihres Bestehens zum größten Durstlöscher weltweit gebracht hat, ärgert sich derzeit wieder mal mit Verbraucherschützern herum. Diesmal nicht wegen angeblich geheimer Inhaltsstoffe, einem übermäßig hohen Zuckergehalt oder der Frage, ob die verwendete Phosphorsäure Kinderzähne mürbe macht.

Zuckerkulör ist nicht mehr harmlos

Es ist der an sich harmlose Zusatzstoff Zuckerkulör, der möglicherweise im industriellen Zeitalter nicht mehr ganz so ohne ist. Ursprünglich durch simples Erhitzen von Zucker gewonnen (Lebensmittelkennzeichnung E 150a), haben sich die Chemiker einiges ausgedacht, um den Farbstoff dunkler und gleichzeitig haltbarer zu machen. Das gelingt durch das Erhitzen unter Zugabe von Schwefelsäure und Ammoniak oder die Zugabe von Salzen der Schwefeligen Säure. Solches Ammoniumsulfit-Zuckerkulör ist laut Kennzeichnung zum Beispiel in den deutschen Cola-Flaschen drin (E 150d).

Michael Jacobson, Direktor des US-Zentrums für Wissenschaft im öffentlichen Interesse (CSPI), hat nun eine plausible Deutung geliefert, warum US-Coca-Cola plötzlich so erbleicht. Seit März muss in Kalifornien auf die möglicherweise krebserregende Wirkung der Substanz 4-Methylimidazol, kurz 4-MEI, hingewiesen werden. Der Stoff entsteht bei der Produktion von Zuckerkulör, aber auch bei vielen anderen Prozessen der Lebensmittelverarbeitung.

Jacobson stellte Messwerte vor, dass in Kalifornien – dort sind die Gesundheitswächter besonders streng – nur noch rund 12 Mikrogramm der Problemsubstanz im Liter Cola sind. Da der tägliche Grenzwert mit 29 Mikrogramm festgelegt wurde, muss nun kein Warnhinweis auf die Flaschen. Die Brasilianer erfrischen sich derweil weiterhin mit mehr als 800 Mikrogramm 4-MEI pro Liter Cola, in Großbritannien wurden rund 450 Mikrogramm gemessen.

Coca-Cola betont Sicherheit

Die Coca-Cola Company beeilte sich festzustellen, dass ihre Produkte sicher seien. Auch das weltberühmte Rezept bleibe wie es ist. Lediglich der Herstellungsprozess für das Zuckerkulör werde so angepasst, dass weniger 4-MEI entsteht.