In den ersten Stunden gab es Schwierigkeiten beim Herunterladen der Warn-App.
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BerlinFür die Bundesregierung war es ein Feiertag. Endlich ein digitales Projekt, das schnell umgesetzt und von Experten für gut befunden wurde. Die Corona-Warn-App sei nicht die erste Warn-App weltweit, sagte Kanzleramtsminister Helge Braun, „aber ich bin ziemlich überzeugt, es ist die beste“.

Nur leider können nicht alle Bundesbürger mitmachen und die App auch tatsächlich runterladen und nutzen. Beim iPhone ist die Version iOS 13.5 des Betriebssystems notwendig, bei Android-Handys muss Android 6 oder eine neuere Version laufen. Außerdem besitzen nach Telekom-Angaben nur 65 Prozent der Bevölkerung ein Smartphone. „Epidemie-Eindämmung also nur möglich für die mit dem nötigen Kleingeld“, beschwerte sich ein Leser der Berliner Zeitung umgehend, weil es ältere Geräte sind, auf denen die App nicht läuft.

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Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) mit seinem Smartphone. Er gehörte wahrscheinlich zu den ersten Nutzern der Corona-Warn-App.
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Die Verantwortung dafür liegt aber nicht bei den Entwicklern in Deutschland von Telekom, SAP und Fraunhofer, sondern im Silicon Valley, wo Google und Apple die Infrastruktur für die App gebaut haben. Und die war durchaus anspruchsvoll, weil beispielsweise ein geringer Energieverbrauch und hohe Datensicherheit angestrebt wurden.

Eine weitere Schwachstelle: Die Geräte können nicht einschätzen, wie bedrohlich ein Kontakt wirklich war. Eine spontane, aber sehr intensive Umarmung kann beispielsweise nicht registriert werden, die App reagiert erst bei längeren Begegnungen.

Und doch wirkten die vier Minister, die die App vorgestellt haben, sehr zufrieden. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) betonte noch einmal, dass die App helfen könne, Infektionsketten zu unterbrechen und Infektionsorte ausfindig zu machen.

Quelle: Youtube

Etwa auf Demonstrationen, in Bussen und Bahnen gebe es nun zunehmend anonyme Nähe zu anderen Menschen, sagte Spahn. Die App ermögliche dann Meldungen an Personen, die darüber sonst nie hätten informiert werden können. Spahn verwies auch auf die Urlaubszeit, wenn sich Deutsche im Ausland und bei Feiern im Inland träfen oder von Reisen zurückkommen.

Ein weiterer Vorteil aus Sicht des Gesundheitsministers: Erfährt ein Nutzer, dass eine Person, zu der er Kontakt hatte, sich infiziert hat, so ist es möglich, sich auch ohne Symptome auf Kassenkosten testen zu lassen.

Datenschützer lobten die hohen Sicherheitsstandards. Die App entspricht den europäischen Datenschutzbestimmungen und wurde als Open-Source-Lösung konzipiert. Das war wirklich neu, denn bisher wurde die Netzgemeinde bei solchen Projekten nicht gefragt, so dass immer die berechtigte Sorge bestand, die Daten könnten auch noch anders genutzt werden. „Datenschutz hat sich durchgesetzt gegen die Epidemiologen“, sagte Jeanette Hofmann, Professorin für Internetpolitik an der FU Berlin.

In den nächsten Tagen wird sich zeigen, wie die Bevölkerung die App annimmt. Bei der Pressekonferenz berichtete Telekom-Chef Timotheus Höttges, dass in den ersten Stunden 100.000 Menschen mitgemacht hätten, auch wenn die App in den Stores zunächst nicht leicht zu finden war. Ursprünglich war der Wunsch, dass etwa 60 Prozent der Bevölkerung mitmachen.