23.09.2020, Berlin: Rainer Knirsch, Telekom-Pressesprecher, trägt zu Beginn einer Pressekonferenz zu 100 Tage Corona-Warn-App einen Mund-Nasen-Schutz mit dem Logo der App im Haus der Bundespressekonferenz. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

BerlinZum Start der Corona-Warn-App vor 100 Tagen hatte Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) die Latte sehr hoch gelegt. „Das ist nicht die erste Corona-App weltweit, die vorgestellt wird. Aber ich bin ziemlich überzeugt, es ist die Beste“, sagte der promovierte Mediziner damals. „Sie herunterzuladen und zu nutzen, das ist ein kleiner Schritt für jeden von uns, aber ein großer Schritt für die Pandemiebekämpfung.“

Inzwischen kann sich die Corona-Warn-App noch mit einem weiteren Superlativ schmücken: In keinem anderen westlichen Land wurde eine vergleichbare Anwendung so häufig heruntergeladen wie die Anwendung des Robert Koch-Instituts. Dennoch melden sich immer wieder Kritiker zu Wort, die die Wirksamkeit der App in Frage stellen. Diese Zweifel werden auch durch technische Unzulänglichkeiten genährt. 

Die App erfasst mit Hilfe von Bluetooth-Signalen, welche Smartphones einander nahe gekommen sind. Bluetooth wurde allerdings nie für diese Aufgabe entwickelt. Daher müssen die Macher der App mit Werten kalkulieren, die oft nicht genau sind.

Grafik: BLZ/Galanty; Quelle: connect.de

Die Kontakt-Ermittlung via Bluetooth ist aber nicht die einzige Funktion der App. Die Anwendung berechnet auch das Risiko, das sich aus der Gesamtzeit aller Risikobegegnungen der vergangenen 14 Tage ergibt. Wenn die App in einem roten Feld ein „erhöhtes Risiko“ anzeigt, erhalten die Betroffenen die Empfehlung, sich nach Hause zu begeben beziehungsweise zu Hause zu bleiben, und mit Experten das weitere Vorgehen abzustimmen.

Im Laufe der ersten 100 Tage hat diese Risikobewertung nicht immer zuverlässig funktioniert. So kam heraus, dass die App auf dem iPhone zeitweise Aussetzer hatte. Dadurch wurden manche Nutzer nicht oder zu spät gewarnt. Nach mehreren Anläufen wurde dieser Fehler in Zusammenarbeit mit Apple behoben.

Doch selbst wenn die App nun einwandfrei arbeitet, ist sie weit davon entfernt, die Bevölkerung flächendeckend zu warnen. Das hat vor allem mit den Nutzungszahlen zu tun. Die App wurde nach Angaben des RKI inzwischen 18,2 Millionen Mal heruntergeladen. Dabei wird nur eine Installation pro Apple-ID beziehungsweise Google-Konto gezählt, also nicht die Downloads der Aktualisierungen.

Da manche Anwender die App auch wieder deinstalliert oder die Bluetooth-Signale abgestellt haben, fällt die Zahl der aktiven Benutzer niedriger aus. Experten schätzen, dass 15 Millionen Menschen in Deutschland die Anwendung aktiv nutzen. 

Gert G. Wagner, Mitglied des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen beim Bundesjustizministerium, gibt zu bedenken, dass die Anwendung besser als gedacht funktionieren könne, wenn Gruppen mit einem überdurchschnittlichen Infektionsrisiko die Anwendung häufiger nutzen würden als der Durchschnitt.

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