Die Corona-Warn-App zeigt auf einem Smartphone alle 24 Stunden das Risiko einer möglichen Infektion an. Grün bedeutet ein niedriges Risiko beziehungsweise bisher keine Risiko-Begegnung. 
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Berlin Mehr als sieben Millionen Menschen haben innerhalb von kurzer Zeit die Corona-Warn-App heruntergeladen. Insgesamt ist es in Deutschland, nach Angaben von SAP, auf 64 Millionen Smartphones möglich, die App zu aktivieren. Bedeutet im Ergebnis, dass ungefähr zehn Prozent der möglichen Nutzer schon dabei sind.

Diese Zahlen ist auch im europäischen Vergleich erstaunlich, denn beispielsweise in Frankreich dauerte es vier Tage, bis eine vergleichbare App eine Million Mal heruntergeladen worden war.

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nutzte die überraschend hohe Resonanz, um die Bürger weiter zu motivieren. „Denn Corona eindämmen, das ist ein Teamspiel“, sagte Spahn. Zustimmung kam auch vom Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery. „Ich habe die App geladen und bin davon überzeugt, dass sie ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Pandemie ist“, sagte er der Passauer Neuen Presse. Die App war von der Telekom und SAP entwickelt und am Dienstag in Berlin vorgestellt worden.

Wer die Statistiken über die Handy-Nutzung in Deutschland aber genauer liest, findet schnell heraus, dass vor allem die Menschen im Rentenalter ausgeschlossen sind, nur 17 Prozent der über 70-Jährigen nutzt ein Mobiltelefon und noch weniger der älteren Menschen ist vertraut im Umgang mit Apps.

In diese Richtung geht auch die Kritik des Berliner Amtsarztes Patrick Larscheid, der in Reinickendorf tätig ist. Er kritisiert die neue Warn-App. „Das ist ein Spielzeug für die digitale Oberschicht“, sagte er der Berliner Zeitung. Sie spreche vor allem gut situierte, weiße Menschen an. Hochbetagte Menschen und große Familienverbände mit Migrationshintergrund würden von der App nicht profitieren. Seine Begründung: „Auf alten Smartphones geht sie nicht. Die Leute, die sie nutzen können, zeigen die App auf ihrem neuen Handy und fahren danach mit dem E-Roller zum nächsten Sushi-Laden“, sagt er deutlich.

Als Amtsarzt sei er gerade für die Leute zuständig, die sich nicht selbst helfen können und die sonst keinen Platz haben. Und denen helfe so etwas nicht, sagte Larscheid. „Hier prallen zwei Welten aufeinander, und ich will diesen Kontrast bewusst machen.“

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Vor möglichen Fehlalarmen durch die App warnte der Virologe Alexander Kekulé. Er sagte in einem Podcast des MDR, das Smartphone könne zum Beispiel keine schützenden Plexiglasscheiben erkennen oder ob Kontaktpersonen einen Mundschutz getragen hätten. Außerdem registriere die Technik nicht, wo sich Menschen begegnet seien, ob draußen oder in einem engen Raum, gab Kekulé zu bedenken. Die App könne somit „wichtige gefährliche Kontakte“ gar nicht feststellen. Eigentlich könne das System erst richtig funktionieren, „wenn wir auch Angaben über den Raum haben“. Aber das ist nicht vorgesehen, denn bei der Planung der Infrastruktur der App konnten sich die Datenschützer gegen die Epidemiologen durchsetzen. (mit dpa)