Der Krebsnebel im Sternbild Stier ist der Überrest einer im Jahr 1054 beobachteten Supernova, also eines explodierten Sterns.
Foto: NASA/ESA/Hubble

BerlinDas schärfste Auge der Menschheit sieht Dinge, die kein normaler Mensch je zu sehen bekommt. Die Bilder, die es einfängt, zeigen fantastisch bunte Feuerwerksexplosionen sterbender Sterne, miteinander verschmelzende Galaxien, Billionen Kilometer große Nebel, die zum Greifen nah erscheinen, und Tausende ferner Galaxien, die wie bunte kleine Knöpfe im gigantischen Raum verteilt sind.

Mehr als eine Million Aufnahmen hat das Weltraumteleskop Hubble zur Erde gesendet, seit es vor 30 Jahren ins All startete. Viele davon sind sensationell. Am 24. April 1990 hob das Teleskop in Florida an Bord der Raumfähre Discovery ab, als Nasa-Projekt mit europäischer Beteiligung. Es wurde im All ausgesetzt und umkreist seitdem die Erde, zurzeit in etwa 550 Kilometern Höhe.

Dieses erste Weltraumteleskop der Welt, dem mindestens 40 weitere folgen sollten, entstand aus einer Idee, die im Jahr 1946 vom US-Astrophysiker Lyman Spitzer (1914–1997) formuliert wurde. Auch das beste Teleskop auf der Erde könne nicht so tief ins Universum schauen wie eines, das im Weltall stationiert sei, meinte Spitzer. Denn im All fehlten die Störungen der Erdatmosphäre. Außerdem würden dort Strahlungen nicht gefiltert, mit deren Hilfe man bestimmte Ereignisse überhaupt erst entdecken könne.

Denn die Bilder, die man sieht, sind größtenteils gar keine Fotos im herkömmlichen Sinne. Hubble arbeitet im gesamten Strahlungsbereich, von Ultraviolett bis Infrarot. Das Teleskop kann Wärmequellen erfassen, Dinge hinter interstellaren Staubschichten sichtbar machen. Aus den Daten entstehen dann die fantastischen Bilder, die unzähligen Menschen in den vergangenen 30 Jahren die Schönheit und vor allem auch die unglaubliche Vielfalt des Universums nahegebracht haben.

Das sogenannte Hubble Extreme Deep Field bietet den bisher tiefsten Einblick ins Universum. 
Foto: NASA/ESA/University of California, Santa Cruz/Leiden University/HUDF09 Team

Dabei schien Hubbles Mission gleich zu Beginn beendet zu sein. Als die gut 13 Meter lange metallische Röhre mit einem Durchmesser von 4,20 Metern die ersten Bilder aus dem All lieferte, erschraken die Nasa-Experten. Die Aufnahmen waren verschwommen. Die Aufregung war groß. Es stellte sich heraus, dass der 2,40 Meter große Hauptspiegel einen Fehler hatte. Weil man ihn nicht austauschen konnte, entwickelte man Korrekturspiegel, die den Fehler ausglichen, bevor das Licht die Instrumente erreichte. In einer Reparaturmission wurden sie eingebaut. Hubble bekommt eine Brille! So lautete eine der ersten Schlagzeilen über sein Leben im All.

Der Carinanebel ist mehr als 6500 Lichtjahre von der Erde entfernt, wirkt aber zum Anfassen nah.
Foto: NASA/ESA/Hubble

Unzählige Schlagzeilen folgten. Denn wöchentlich sendet Hubble etwa 120 Gigabyte Daten zur Erde. Bisher sind mehr als 15 000 wissenschaftliche Publikationen daraus entstanden. Neben fantastischen Bildern lieferte Hubble nahezu revolutionäre Erkenntnisse über das Universum. 2016 berechneten Astronomen etwa anhand von Hubble-Aufnahmen, dass das Universum zehn Mal so viele Galaxien hat wie bis dahin gedacht – und zwar wohl mehr als eine Billion. Um es noch mal zu verdeutlichen: Damit sind keine einzelnen Sterne gemeint, sondern riesige Objekte wie unsere gesamte Milchstraße.

Grafik: BLZ/Galanty
Quelle: NASA/dpa

Hubble hat die Existenz gigantischer Schwarzer Löcher in der Mitte von Galaxien nachgewiesen. Es hat in der Atmosphäre ferner Exoplaneten Wasserdampf entdeckt. Es hat Gas- und Staubscheiben gefunden, aus denen sich neue Sterne und Planeten bilden. Mit seinen Aufnahmen blickt das Teleskop bis in die Frühgeschichte des Universums zurück. Unglaublich beeindruckend ist etwa sein Bild „Hubble Extreme Deep Field“, das etwa 5 500 Galaxien umfasst. Das Licht einiger Objekte brauchte 13,2 Milliarden Jahre bis zu uns. Hubble machte Objekte sichtbar, wie sie 450 Millionen Jahre nach dem Urknall existierten.

Hubbles Bilder lieferten die erstaunliche Erkenntnis, dass sich das Universum nicht nur ausdehnt, sondern dass sich diese Expansion auch beschleunigt. Forscher waren zuvor davon ausgegangen, dass die Anziehungskraft der Materie diese Ausdehnung abbremse. Stattdessen entstand nun die Theorie, dass eine „Dunkle Energie“ das All erfülle und die beschleunigte Expansion antreibe. Dafür gab es für die beteiligten Forscher den Nobelpreis, auch dank Hubble.

Polarlichter auf dem Jupiter. Ihre Ausdehnung ist größer als der Durchmesser der Erde.
Foto: NASA/ESA/Hubble

Das Weltraumteleskop macht also seinen Namensgeber, dem Astronomen Edwin Hubble (1889-1953), alle Ehre. Dieser hatte unter anderem einst die Spiralgalaxien klassifiziert und Grundlagen für die Größe entwickelt, die heute Hubble-Konstante genannt wird. Diese beschreibt, wie schnell sich das Universum räumlich ausdehnt.

Die Nasa wollte Hubble schon im Jahre 2005 gezielt vom Himmel holen. Doch die wahrscheinlich letzte von vielen Reparaturmissionen in Hubbles Leben machte das Weltraumteleskop noch einmal für mindestens weitere 15 Jahre fit. Nachfolger soll das James-Webb-Weltraumteleskop sein, das im Jahre 2021 im All stationiert werden soll. Doch dieses muss die Herzen der Weltraumfans erst einmal gewinnen. So wie Hubble es getan hat.