Immer und überall: In Krisenzeiten ist das Internet noch wichtiger denn je.
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BerlinAls Rettungsanker in Krisenzeiten hatte Tim Berners-Lee das Internet in dieser Woche bezeichnet. Berners-Lee gilt als Erfinder des World Wide Web, der Mann sollte also wissen, worauf es zurzeit ankommt. Der Zugang zum Netz ermögliche es den Menschen, weiter zu arbeiten und schaffe die Voraussetzung, Schüler weiter zu unterrichten, auch wenn die Büros und die Schulen geschlossen sind, sagte er.

Aber ist die Infrastruktur auch verlässlich, wenn plötzlich mehr Traffic entsteht? Mit 9,1 Terabit Daten pro Sekunde verzeichnete der Frankfurter Internet-Austauschknoten DE-CIX am vergangenen Dienstag einen neuen Weltrekord. Der Verband der Internetbetreiber Eco führte den hohen Wert auf die Jahreszeit zurück und das Bedürfnis, gut über den Verlauf der Corona-Epidemie informiert zu sein. Vor allem durch die Nutzung von Streaming-Angeboten wie Netflix, das Anklicken von Nachrichtenseiten und durch Internet-Telefonie entstand der erhöhte Bedarf.

Kapazitäten können Schrittweise ausgebaut werden

Aber warum hat niemand etwas mitbekommen von dem gesteigerten Traffic? Das liegt daran, dass es „eine physische Grenze für die Datenrate am DE-CIX praktisch nicht gibt. Die Kapazitäten können Schrittweise ausgebaut werden“, sagte Thomas King, technischer Leiter bei Eco. Selbst wenn alle Firmen Europas ausschließlich Home-Office betreiben würden und nebenher noch die Fußball-Europameisterschaft übertragen würde, könnte der DE-CIX die notwendige Bandbreiten für reibungslose Verbindungen bereitstellen, sagte King weiter. Die Begründung: „Dies liegt auch daran, dass der DE-CIX immer mindestens 25 Prozent zusätzliche Kapazitäten vorhält, um Entwicklungen wie in den vergangenen Tagen mit einem Traffic-Anstieg von 800Gigabyte pro Sekunde oder etwa zehn Prozent gewachsen zu sein.“

DE-CIX ist die Abkürzung für Deutsche Commercial Internet Exchange, das ist der zentrale Internet-Knoten in Frankfurt am Main und gemessen am Datendurchsatz der größte der Welt. Die Technik dort ist in den vergangenen Jahren immer wieder auf den neuesten Stand gebracht worden, trotzdem forderte der Verband am Freitag, Politik und Wirtschaft sollten das gemeinsame Ziel verfolgen, digitale Infrastrukturen in Deutschland sowie Europa langfristig zu stärken. Mit mehr als 1 100 Mitgliedsunternehmen ist Eco der größte Verband der Internetwirtschaft in Europa.

Gleiches Internet für alle

Internet-Pionier Berners-Lee verband seine Botschaft mit einem klaren Hinweis. Wenn das Internet für die Menschheit so wichtig geworden sei, dann müsse auch sichergestellt werden, dass ein Zugang für alle gleichberechtigt möglich ist. „Wenn wir das Web mehr denn je brauchen, muss es für alle funktionieren“, sagte er und ergänzte: Immer noch sei es bei Männern um 21 Prozent wahrscheinlicher, dass sie online seien, in den ärmsten Ländern sei es sogar um 52 Prozent wahrscheinlicher. Damit werde die Ungleichheit gefestigt, Millionen Mädchen und Frauen hätten nicht die Chance online zu lernen, Geld zu verdienen und ihrer Stimme Gehör zu verschaffen, klagte er.