Gleichberechtigung am Computer: Die DDR bot vor 30 Jahren schon Kurse für Frauen an.
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BerlinSeine Premiere erlebte der Heimcomputer KC compact im März 1990. Während der Leipziger Frühjahrsmesse präsentierte die DDR jedes Jahr ihre Innovationen, ein Schaufenster der DDR-Wirtschaft, hieß es damals. Gäste aus aller Welt reisten damals nach Sachsen. Viel Aufmerksamkeit erreichte der Computer allerdings nicht. Selbst im Computer-Fachmagazin MP – Mikroprozessortechnik wurde der neuen Typ des Kleincomputers (KC) nur beiläufig im Rahmen des Messeberichts vorgestellt.

Schon die Produktion stand unter keinem guten Stern: Für die Ingenieure vom volkseigenen Betrieb VEB Mikroelektronik „Wilhelm Pieck“ in Mühlhausen war die Sache nicht gerade ein Herzensprojekt, denn statt weiter an der bisherigen Kleincomputer-Linie zu arbeiten, mussten sie nun einen West-Computer kopieren. Denn während die bisherigen Kleincomputer Eigenentwicklungen waren, die keine Vorbilder hatten, war der KC compact ein Klon des Amstrad CPC, der fünf Jahre zuvor auf dem Markt gekommen war (in Westdeutschland zunächst als Schneider CPC, bis Amstrad 1988 eine deutsche Niederlassung errichtete).

Referent hatte Gerät nicht dabei

Der Amstrad-Computer wurde als Muster ausgewählt, weil er im Gegensatz etwa zum Commodore 64 und zum Atari 800 mit dem Z80-Prozessor arbeitete. Den produzierte die DDR als U 880 seit Jahren und in größeren Stückzahlen. Der U 880 steckte in den allermeisten DDR-Computern, vom einfachen Lernrechner über die Kleincomputer bis zu den CP/M-kompatiblen Bürorechnern wie dem PC 1715.

Für westliche Chips hätten teure Devisen gezahlt werden müssen, und die leistungsfähigeren fielen ohnehin unter das Import-Embargo, unter dem alle Länder des Ostblocks litten. Zudem war der Amstrad-Computer nicht mit einem raffinierten Grafikchip ausgerüstet wie der C64 und somit weniger aufwendig nachzuahmen.

Als der neue Computer Ende Oktober 1989, wenige Tage vor dem Fall der Mauer, zum ersten Mal in größerer Runde auf einer Computer-Tagung vorgestellt wurde, war auch dort die Begeisterung verhalten. Zumal der Referent aus Mühlhausen das Gerät noch nicht dabei hatte.

Manche hatten einen 16-Bit-Computer erwartet. Andere fragten sich, wieso ein weiterer 8-Bit-Computer gebaut werden sollte, der nicht zu den vorhandenen der gleichen Leistungsklasse kompatibel war. Einige waren auch stolz auf den bisherigen KC 85, weil er gerade nicht ein Klon war wie die meisten Computer aus dem Ostblock, sondern eine DDR-eigene Entwicklung. Nicht mal im westlichen Nachbarland, in der Bundesrepublik, gab es einen Heimcomputer aus eigener Produktion.

Dabei war der KC compact nicht schlecht. Er hatte Anschlüsse für Kassettenlaufwerk, Antennenausgang und RGB, Joystick, Drucker, eine Stereo-Buchse und einen Erweiterungsport, für den vor allem ein geplantes Diskettenlaufwerk gedacht war. Eine deutliche Verbesserung erlebte der Sound. Bisherige Computer in der DDR erzeugten einfache Melodien mit einem Piepser. Beim KC compact kam erstmals ein Soundchip zum Einsatz.

Schneller Wertverlust

Doch schon wenige Wochen nach seiner Markteinführung wurde der Computer bereits verramscht. Es war kein guter Zeitpunkt für die Markteinführung. Die Währungsunion stand vor der Tür, zum 1. Juli 1990 wird das DDR-Geld 2:1 in Westmark umgetauscht, und selbst für 2300 Mark geteilt durch zwei hätte man sich einen gleichwertigen Amstrad CPC kaufen können, mit eingebautem Kassettendeck. Und man hätte noch genug Geld übrig gehabt, um außerdem einen Commodore 64 mit Diskettenlaufwerk und Farbmonitor erstehen zu können.

Der Autor erwarb vor fast genau 30 Jahren, am 23. Mai 1990, an einem Straßenstand in Erfurt einen KC compact für 250 Mark der DDR. Auf der Packung stand noch der ursprüngliche EVP, der Einzelhandelsverkaufspreis, von 2300 Mark. Die Seriennummer: 001244. Unter Computerliebhabern heißt es, dass heutzutage bis zu 1000 Euro für ein altes Gerät gezahlt werden.  

Der Text ist zuerst bei heise.online erschienen

Der KC compact des Autors, erworben vor 30 Jahren, Seriennummer: 001244.
Foto: heise online/René Meyer