Berlin - Auf dem Pausenhof Fußball-Sammelbilder tauschen – daran können sich sicherlich noch viele Fußballfans erinnern. Gerade bei den Jüngeren sind die Alben der italienischen Marke Panini noch heute beliebt. Doch warum nicht digital mit Fußballbildern handeln? Das hat sich der Berliner Dirk Weyel gefragt und mit seinen beiden Ko-Gründern Björn Hesse und Claudio Weck das Start-up Fanzone ins Leben gerufen. Pünktlich zur EM 2021 sollen Fußballfans digitale Sammelbilder kaufen und mit ihnen handeln können. Selbst in sogenannten Fantasy-Fußball-Wettbewerben können sie eingesetzt werden. 

Das im September gegründete Start-up hat dafür bereits einen namhaften Kooperations-Partner an Land gezogen: den Deutschen Fußball-Bund (DFB). Auch mit weiteren großen Partnern steht es bereits in Verhandlung, verrät Gründer Dirk Weyel der Berliner Zeitung. Diese dürften aber noch nicht namentlich genannt werden. Fanzone will sich zukünftig auch nicht nur auf den Fußball konzentrieren, sondern das Angebot auf weitere Sportarten ausweiten – und das international. Im April wird Fanzone im Web und in den App-Stores von Google und Apple an den Markt gehen. Dann sollen auch die ersten digitalen Sammelkarten der Männer-Nationalmannschaft, der Frauen- Nationalmannschaft und der U21-Nationalmannschaft veröffentlicht werden. 

Blockchainbasierte Trading-Karten – sogenannte NFTs

Auf den Seiten von Fanzone können sich Nutzer bereits jetzt ein kostenloses limitiertes Gründer-Paket sichern. Die Nachfrage sei hoch, das Interesse vorhanden, sagt Weyel. Das Besondere an Fanzone: Der Handel mit den Sammelkarten basiert auf der Blockchain-Technologie. Die Blockchain ist eine Art dezentrales Protokoll für Transaktionen zwischen Parteien, die jede Veränderung transparent erfasst. Dieses Protokoll, eine riesige Datenbank, liegt nicht auf einem zentralen Server oder bei einem Unternehmen, sondern wird auf verschiedene Rechnern verteilt. Die Blockchain gilt zudem als fälschungssicher. Gerade in Hinblick auf Kryptowährungen wie Bitcoin wird die Blockchain-Technologie genutzt, um Geldtransaktionen zu verwalten.

Bitcoins sind allerdings austauschbar und werden daher auch fungible token genannt, also austauschbare Einheiten. Bei den Fußball-Sammelkarten von Fanzone handelt es sich hingegen um non-fungible-token (kurz: NFT), also nicht austauschbare Einheiten. Die NFTs sind also limitierte digitale Objekte, die die Seltenheit und Echtheit der virtuellen Sammelobjekte garantieren. 

Die digitalen, fälschungssicheren Unikate sind im Netz bereits seit einiger Zeit im Trend. Erst Anfang März wurde etwa im Auktionshaus Christie’s in New York ein rein digitales Gemälde für 69 Millionen Dollar versteigert. Der neue Eigentümer hat lediglich eine Datei erworben, ein NFT. Zwei weitere Beispiele: Der Twitter-Chef Jack Dorsey hat eine digitale Kopie seines ersten Tweets für 2,5 Millionen Dollar versteigert und die Rockband Kings of Leon veröffentlicht ihr nächstes Album als NFT. 

Auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff interessiert sich für die Technik

Auch das Prinzip der virtuellen Sammelkarten ist nicht neu. Die nordamerikanische Basketballliga NBA hat schon vor einiger Zeit einen Blockchain-basierten Marktplatz dafür geschaffen. Und auch was Fußball-Sammelkarten und Fußball-Fantasy auf Blockchain-Basis angeht, gibt es bereits erste Anbieter, wie etwa das französische Start-up Sorare. Einer seiner Investoren ist unter anderem einer der DFB-Direktoren, Oliver Bierhoff. Auch Fanzone habe bereits namenhafte Investoren ins Boot geholt, doch um wen es sich dabei genau handelt, dürfe noch nicht öffentlich bekannt gegeben werden, sagt Weyel. 

Doch ist Fanzone auch für Menschen geeignet, die sich weder mit der Blockchain-Technologie noch mit Kryptowährungen und NFTs auskennen? „Das Besondere bei Fanzone: Man braucht keinerlei Blockchain-Vorkenntnisse. Wir nehmen die Nutzer an die Hand und erklären, was sie mit den NFTs machen können“, so Weyel. Im Gegensatz zu einem Panini-Album können Nutzer bei Fanzone zudem nicht nur Fußballerbilder sammeln und Kollektionen vervollständigen. Sie können die Spielerkarten, die NFTs, auch in verschiedenen Spielvarianten in der Fanzone-App und außerhalb der App einsetzen.

Foto: Fanzone
Die drei Gründer von Fanzone: Dirk Weyel, Claudio Weck und Björn Hesse (von links).

„Es ist also kein geschlossenes System. Man kann die Sammelbilder also aus der App herausnehmen und auch auf anderen virtuellen Marktplätzen verkaufen oder in Fantasy-Fußballspielen einsetzen – und das weltweit“, erklärt Weyel. Ein großer Vorteil der NFTs: Die digitalen Güter sind auf der Blockchain lebenslang verfügbar und existieren unabhängig von Apps und App-Stores.

Wie bei allen Sammelobjekten gilt auch bei den virtuellen Fußball-Karten: Man kauft die Tüte digital und einige Karten sind dann selten und einige nicht. Dann kann man handeln. Die Karten unterscheidet man dann in Seltenheitsstufen. Je seltener, desto teurer. Bei Fanzone soll es vier verschiedene Seltenheitsstufen geben, erklärt Weyel. In der niedrigsten Stufe kommen die Karten besonders häufig vor, in höheren Stufen sind sie hingegen auf eine bestimmte Anzahl limitiert. Wer gut investiert, kann so beim Handel teilweise große Wertsteigerungen erzielen. Weyel empfiehlt Fanzone daher auch nicht für Kinder. „Es ist schon eher für die erwachsenen Fußballfans gedacht. Für die Kleineren sind die klassischen Alben mit den Fußball-Stickern besser geeignet“, so der Gründer.

Er selbst habe als Kind mit Freunden die Fußball-Sticker fleißig getauscht. „Ich freue mich daher umso mehr, dass ich nun selbst die digitalen Karten für Fußballfans mit Fanzone herausbringen kann“, sagt Weyel. Doch er sammele dennoch auch weiterhin die richtigen Panini-Sticker im Album – gemeinsam mit seinem Sohn.