Ein Unglück kommt selten allein. Nach diesem Prinzip wurde bislang auch ein Zusammenhang zwischen Übergewicht und Depression vermutet. Die bisherige Annahme: Wer viel zu viel wiegt, wird depressiv aus Frust über seine äußere Erscheinung und wegen der Diskriminierung, die er täglich erlebt. Und wer depressiv ist, nimmt enorm zu, weil er passiv ist und sich mit Essen zu trösten versucht.

Eine neue Studie der kanadischen McMaster University in Hamilton, Ontario, stellt dieses psychologische Erklärungsmuster nun in Frage. Das Team um den Epidemiologie-Professor David Meyre fand heraus, das ein Gen, das bei Übergewicht eine wesentliche Rolle spielt, vor Depressionen schützt. Die Forscher hatten mehrere Tausend Erbgutproben von Menschen aus 21 Ländern untersucht. Wie sich im Fachmagazin Molecular Psychiatry berichten, senkt die dickmachende Variante des sogenannten FTO-Gens das Depressionsrisiko um acht Prozent.

Molekulare Grundlage von Depressionen

Das ist zwar kein gewaltiger Effekt, aus Sicht der Forscher ist der Zusammenhang trotzdem bemerkenswert. „Wir haben eine neue molekulare Grundlage von Depressionen entdeckt“, sagt Meyre. Studien mit Zwillingen und Geschwistern zeigten schon länger, dass Depressionen eine genetische Komponente haben, ihr Anteil wird auf 40 Prozent geschätzt. „Studien, in denen nach Depressions-Genen gesucht wurde, waren bisher aber erstaunlich wenig erfolgreich“, sagt Meyre.

Mit dem FTO-Gen ist nun ein solches Erbmerkmal entdeckt. Offenbar ist mit Blick auf die seelische Gesundheit also eher auf diejenige Variante des FTO-Gens zu achten, die nicht dick macht. Dünn, aber depressiv - ein Unglück ist auch schon schlimm genug.