Depressionen und #notjustsad: „Ich bin nicht einfach nur traurig“

4,3 Millionen Fehltage aufgrund von Depressionen verzeichnete die Techniker Krankenkasse im Jahr 2013. Die psychische Krankheit ist inzwischen zu einer Volkskrankheit geworden, deren Facetten nicht unterschiedlicher sein können. Hagen Terschüren, Dominik Schott und Tara Falsafi sind Betroffene. Am dritten Tag der Republica sprachen sie auf Stage 10 über ihre Krankheit Depression - persönlich und nah. Sie zeigen, was das Netz dazu leisten kann und was nicht. Twitter kommt dabei nicht gut weg.

„Du musst besser sein”

Tara Falsafi bekam erst Anfang 2015 die Diagnose Depression. „An guten Tagen habe ich mich schlecht gefühlt, an schlechten leer”, sagt sie. Sie wartet auf einen Therapieplatz. Falsafi ist Migrantin, spricht darüber, dass das Thema Depression in Migrantenfamilien kaum eine Rolle spiele. Ihre Eltern hätten ihr gesagt, sie müsse besser sein, als die Deutschen.

Natürlich mache Migration nicht automatisch krank, aber es gebe Migrantinnen, die Traumata hätten, erklärt sie. Das Netz könne Angebote für sie schaffen. Twitter mit seinen 140 Zeichen sei da allerdings das falsche Medium, findet die junge Frau. „Depression ist kein Hashtag”, sagt sie und spielt auf den Hashtag notjustsad an, unter dem sich in den vergangenen Monaten viele Betroffene bei Twitter Gehör verschafft haben.

Kein Gefühl

Hagen Terschüren beschreibt seine Depression so: „Ich war emotionslos. Ich fühlte nichts. Keine Trauer. Keine Freude. Ich kam nicht aus dem Bett. Die Tatsache, dass ich meinen Job verlieren könnte, war mir egal.”

Er beschreibt diesen Zustand als Abwärtsspirale, die eigenen Vorwürfe befeuerten diese Bewegung. Wichtig dabei: Auch die von einer Depression Betroffenen sollten Verständnis zeigen - nämlich für das Umfeld, das die Verhaltensformen von Depressiven womöglich nicht kennt und nachvollziehen kann. „Erklärt es ihnen, haut nicht 20 zornige Tweets raus. Weitet den Dialog aus”, sagt Hagen Terschüren.

Heute Architekt, morgen Austauschschüler

Dominik Schott hat seine eigene, ganz persönliche Therapie gegen die Depression entwickelt. Sie ersetzt allerdings nicht die klassische, bei der er Unterstützung von einem Therapeuten bekommt. Das Problem: Zwei Therapeuten hätten ihn abgelehnt, sein Fall sei „zu kompliziert”. Schott hat sich verschiedene Identitäten geschaffen. Mal ist er Architekt, mal der Austauschschüler aus England. Irgendwann brach das Kartenhaus in sich zusammen, er versuchte Hilfe zu bekommen und scheiterte.

Nun betreibt Dominik Schott einen Blog. „Kaffee und Fluchen” (http://kaffeeundfluchen.com) heißt er. „Weil Schreiben mir guttut”, erklärt Schott. Darin geht es um Depressionen, sein Thema. Außerdem hat er einen Tumblr mit ins Leben gerufen. Betroffene können Texte einreichen, ihre Geschichte erzählen, und sie anonym auf www.meinedepression.tumblr.com veröffentlichen.