Satya Nadella ist der Chef bei Microsoft und hat große Pläne mit der Kollaborationsplattform Teams.
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BrüsselDer Bürokommunikationsdienst Slack wirft Microsoft bei der EU-Kommission unfairen Wettbewerb vor. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Microsoft bündele widerrechtlich seine Konkurrenz-Anwendung Teams mit der Bürosoftware Office, kritisierte Slack. Dadurch werde Slack benachteiligt und man habe eine Beschwerde in Brüssel eingereicht.

„Wir glauben, dass Microsoft zu diesem Verhalten greift, weil sie Slack für eine existenzielle Bedrohung halten“, sagte Chefjustiziar David Schellhase in einer Videokonferenz. Slack habe die Beschwerde in Brüssel statt in den USA als Heimatmarkt beider Unternehmen eingereicht, weil die Kommission ihre Verbundenheit zu einheitlichen Spielregeln für alle und die Bereitschaft zu kreativen Lösungen demonstriert habe. Slack wolle erreichen, dass Microsoft Teams separat zu einem fairen Preis verkaufe.

Microsoft entgegnete, Teams habe in der Corona-Krise Rekordzahlen verzeichnet, „während Slack wegen des Fehlens von Videokonferenzen litt“. Tatsächlich schloss Slack das erste Quartal mit einem Verlust von 74,4 Millionen Dollar ab – mehr als doppelt so viel wie das Minus von 31,9 Millionen Dollar ein Jahr zuvor, hatte die Firma aus San Francisco Anfang Juni mitgeteilt.

Microsoft falle in alte Verhaltensmuster zurück, kritisierte Slack in Anspielung auf frühere Wettbewerbsverfahren, in denen es unter anderem um die Bündelung des Webbrowsers Internet Explorer und des Betriebssystems Windows ging. Microsoft war wegen der Vorwürfe vor 20 Jahren beinahe zerschlagen worden und agierte seitdem sehr vorsichtig in Wettbewerbsfragen.

Slack und Teams bieten Chats sowie Audio- und Videokommunikation am Arbeitsplatz. Slack-Chef Stewart Butterfield hatte schon früher die Bündelung von Teams mit Office kritisiert. 

Finanziell hat Microsoft dagegen wenig Sorgen. Das Unternehmen hat im zweiten Quartal des Jahres mit seinem Umsatz die Analysten-Erwartungen übertroffen. Der Softwarekonzern steigerte die Erlöse im Jahresvergleich um 13 Prozent auf gut 38 Milliarden Dollar – am Markt waren eher um die 36,5 Milliarden Dollar erwartet worden.

Die optimistischen Erwartungen hatten sicherlich auch damit zu tun, dass Microsoft einer der großen Gewinner zu Beginn der Corona-Krise gewesen war. Bei der jährlichen Leistungsschau „Build 2020“, die in diesem Jahr per Livestream übertagen worden war, wurde Anfang Juni  angekündigt, dass die Kollaborationsplattform Teams ausgebaut werden soll. Die App hatte Anfang März eine Verdoppelung der Nutzerzahlen auf 75 Millionen weltweit pro Tag erlebt. 

Teams, so die Botschaft der Konferenz, soll das Bindeglied zwischen den Microsoft-Diensten wie Office oder Windows 365 und den Menschen im Homeoffice oder in Büro, in der Produktion oder der Arztpraxis sein. Neue Bots, intelligente Hilfsprogramme, sollen von Teams aus Videokonferenzen und Seminare planen, die Schichten im Krankenhaus einteilen, die Verfügbarkeiten von Beatmungsgeräten oder von Toilettenpapier im Blick behalten.

Geschäftsführer Satya Nadella bezeichnete die Softwareentwickler als „digital first responders“, als digitale Ersthelfer für die Ersthelfer in der echten Welt in Krankenhäusern und wichtigen Bereichen der Wirtschaft. Von Überwachungs-Apps bis zu Bedarfsplanung oder statistischen Auswertungen der Virenverbreitung praktisch in Echtzeit – für alles stehe Technologie bereit und das sei erst der Anfang, so Nadella.