Berlin - Brett Phaneuf wuchs am Meer auf, tobte mit anderen Jungs in den Wellen, tauchte und fing Fische – früher wären das perfekte Voraussetzungen gewesen, um irgendwann Schiffskapitän zu werden. Doch die Zeiten haben sich geändert. Phaneuf hat zwar noch mit Schiffen zu tun, aber an Bord wird der Mann mit dem grauen Vollbart nicht mehr zu sehen sein. Weil es auf seinem Schiff keinen Kapitän mehr braucht. Am Sonnabend soll im englischen Plymouth erstmals ein selbstfahrendes Schiff ablegen, um den Atlantik zu überqueren. Ziel ist Plymouth im US-Bundesstaat Massachusetts.

Phaneuf hatte die Idee dazu. Nach dem Schulabschluss studierte er Meeresarchäologie und gründete die Non-Profit-Organisation Promare, die sich um Meeresforschung kümmert. Ein Freund kannte sich mit Künstlicher Intelligenz aus, so kam das Projekt in Bewegung. Wenn alles gut geht, wird das Schiff – angetrieben von KI und Sonnenenergie – während der Überfahrt Umweltdaten über den Zustand des Ozeans sammeln. Das autonome Schiff hat allerdings noch keine Erfahrung auf hoher See.

Wer die Geschichte der Seefahrt kennt, der weiß um die Tücken und Risiken. Phaneuf hat das einmal so formuliert: „Am Ende gewinnt immer der Ozean.“ Und doch wird er das Experiment wagen. Die Idee entstand, als die Bürger im britischen Plymouth überlegten, wie sie der Überfahrt ihrer Vorfahren vor 400 Jahren nach Amerika gedenken sollten. Ungefähr 100 Menschen machten sich an Bord des Segelschiffs „Mayflower“ auf den Weg in die Neue Welt. Der Kapitän von damals wird in der britischen Küstenstadt noch immer verehrt. Wenn es gut läuft für die neue „Mayflower“ und Phaneuf, könnte ihm Ähnliches widerfahren.