Bei den Protesten in Belarus sind Smartphones auch dabei. Regierungskritiker nutzen gerne den Messengerdienst Telegram.
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Berlin Das Firmensymbol von Telegram ist ein Papierflieger. Für viele Kinder sorgt so ein selbst gebasteltes Spielzeug für einen ersten magischen Moment in ihrem Leben. Für den 36 Jahre alten Pawel Durow ist der Flieger das Symbol für ein knallhartes Geschäft. Bei seinem Unternehmen Telegram geht es um freie Meinungsäußerung in Krisenregionen.

Aktuell geht es um Belarus: Nach dem umstrittenen Wahlsieg von Präsident Alexander Lukaschenko und den Protesten danach versucht die Regierung, die digitale Kommunikation zu unterbinden. Zeitweise funktioniert das Internet nicht. Und wenn es doch funktioniert, dann sind die populären Dienste wie Facebook oder Instagram nicht verfügbar. Der von Durow kreierte Messengerdienst Telegram scheint dagegen eine halbwegs zuverlässige Kommunikation zu ermöglichen. Der Firmengründer schrieb auf Twitter, dass man Anti-Überwachungstools eingerichtet habe, sodass die meisten Nutzer Zugriff auf den Dienst haben.

Pawel Durow gilt als medienscheu – die Aufnahme entstand bei einer Konferenz 2013 in Berlin. 
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Telegram ist einer der populärsten Messengerdienste weltweit, gilt als deutlich vertrauenswürdiger als WhatsApp, wird von Experten wie Edward Snowden aber nicht so gut eingestuft wie Signal. Weltweit nutzen 400 Millionen Menschen den Dienst monatlich. Staatliche Überwachungsbehörden kritisieren immer wieder, dass auch Terroristen und politische Extremisten den Dienst verwenden. Das ist auch eine Folge der hohen Sicherheitsstandards.

Durow hat schon früh in seinem Leben erfahren, welchen Druck staatliche Institutionen auf digitale Unternehmen ausüben können. In Russland hatte er das Netzwerk VKontakte aufgebaut, das als russisches Facebook bezeichnet wird. Als im Winter 2011 Hunderttausende gegen Unregelmäßigkeiten bei der russischen Parlamentswahl demonstrieren, erscheinen Sicherheitskräfte vor seinem Haus in St. Petersburg und fordern seine Kooperation. Da merkte er, so erzählt er später, dass es keinen sicheren Kanal gab, mit dem er seine Eltern erreichen konnte. So entstand Telegram.

Durow, der inzwischen in Dubai lebt, versteht sich also als Kämpfer für die Freiheitsrechte im Netz. Und so kritisiert er auch das Vorhaben von US-Präsident Donald Trump, dass ein US-Konzern TikTok übernehmen soll. Die USA seien der Inbegriff für freien Handel und freie Meinungsäußerung gewesen, schrieb Durow bei Twitter. Die Trump-Regierung habe das Interesse aber wohl verloren. Sehr bedauerlich, weil Milliarden Menschen die Idee einer offenen und vernetzten Welt sehr schätzten.