Der Stern Beteigeuze vor und nach seiner beispiellosen Verdunkelung. Die Beobachtungen wurden im Januar und Dezember 2019 gemacht. Sie zeigen, wie sehr der Stern verblasste.
Foto: ESO/M. Montargès et al.

Berlin - Beteigeuze ist normalerweise einer der hellsten Sterne. Selbst am Berliner Firmament ist er als linkes Schultergestirn im Sternbild Orion erkennbar. Doch seit Oktober letzten Jahres war er immer dunkler geworden und hatte Mitte Februar fast ein Drittel seiner scheinbaren Helligkeit eingebüßt. Da es sich bei Beteigeuze um einen Riesenstern handelt, der sich in der Endphase seiner Entwicklung befindet, sahen manche dieses ungewöhnliche Verhalten als Vorboten seines explosiven Sternentods an.

Doch die meisten Astronomen wiegelten ab. Beteigeuzes Helligkeit schwankt seit jeher mit einer Periode von etwa 430 Tagen, zudem scheint es eine weitere Periode mit sechs Jahren Dauer zu geben. Hans-Thomas Janka, Supernova-Experte vom Max-Planck-Institut für Astrophysik, vermutete deshalb, dass sich im Moment gerade zufällig beide Perioden mit ihren Minima überlagern und Beteigeuze deswegen so lichtschwach geworden ist. Sollte dies der Fall sein, so müsse Orions Schulterstern bis Ende Februar wieder heller werden, sagte Janka. Und genau das scheint nun eingetreten zu sein.

Ausstoß großer Mengen an Gas

Wie der Astronom Edward Guinan von der Villanova University, Pennsylvania, auf der Internetplattform astronomerstelegram.org schreibt, legt der Stern seit einigen Tagen wieder an Helligkeit zu. Die Talsohle scheint durchschritten sein, die Supernova bleibt offenbar aus.

Hinweise auf die Ursache dieser Verdunkelung hat ein Forscherteam um Miguel Montargès von der Katholischen Universität in Leuven, Belgien, gefunden. Hierbei kam ihm Beteigeuzes enorme Größe zugute. In unserem Sonnensystem würde er alle inneren Planeten, die Erde eingeschlossen, verschlucken und fast bis an die Jupiterbahn heranreichen. Deshalb zählt er zu den ganz wenigen Gestirnen, deren Oberfläche mit den leistungsstärksten Teleskopen der Erde erkennbar ist.

Montargès beobachtete den Stern mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte ESO im Januar und Dezember 2019, als Beteigeuze zu schwächeln begann. Die zweite Aufnahme zeigte deutlich, dass der untere Teil des Sterns zu fehlen schien. Montargès vermutet, dass der Stern große Mengen an Gas ausgestoßen hat. Diese Materie bewegte sich zufällig in unsere Beobachtungsrichtung und verdichtete sich zu dunklen Staubwolken, die einen Teil des Sternlichts verschluckt haben. Ob dies die richtige Erklärung ist, wird sich erweisen. Beteigeuze bleibt im Visier der Astronomen.