Berlin: Frau mit Notebook surft im Internet bei Zalando.
Foto: imago images/Jürgen Ritter

BerlinDie deutsche Digitalwirtschaft ist gespalten über den weltweiten Werbeboykott gegen den Onlinedienst Facebook. Während der IT-Verband Bitkom den Boykott kritisch sieht, zeigte sich der Internetverband Eco offen für das Vorgehen der Unternehmen im Kampf gegen Hass und Hetze im Internet, wie das Handelsblatt am Mittwoch berichtete. 

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) wollte sich demnach nicht klar positionieren. Auch Zalando, der Online-Versandhändler aus Berlin, äußerte sich zurückhaltend. Intern werde zurzeit die Debatte geprüft, teilte das Unternehmen der Berliner Zeitung mit.

Eco-Vorstandschef Oliver Süme äußerte laut afp Verständnis für Unternehmen, die vorerst keine Werbung mehr auf Social-Media-Plattformen schalten. „Wenn nun der Markt – wie aktuell zu beobachten ist - ein Werbeumfeld regelt, das Rassismus und Hassbotschaften nicht toleriert, ist das aus meiner Sicht durchaus ein zusätzlicher Ansatz zur Bekämpfung von Hass und Hetze im Netz“, sagt Süme dem Handelsblatt. „Es zeigt auch, dass die Gesetze des Marktes und Eigenverantwortung von Unternehmen in diesem Fall effektiver sind als staatliche Regulierungsversuche.“

„Letztlich sollten nicht die Verteilungsströme von Werbebudgets darüber entscheiden, was als inakzeptabler Hass oder strafwürdiger Inhalt gilt, was von der Meinungsfreiheit gedeckt ist und wo rote Linien zu ziehen sind“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder. „Wir befinden uns hier in einem Kernbereich staatlicher Verantwortung.“ 

Der BVDW gibt seinen Mitgliedsunternehmen mit Blick auf eine mögliche Teilnahme an dem Werbeboykott dagegen keine Empfehlung. „Es steht jedem Werbungtreibenden zu, Budgets so zu verteilen, wie er möchte und wo er es für richtig und für seine Marke nützlich hält“, sagte Verbandspräsident Matthias Wahl. „Wichtig ist uns als BVDW, dass unsere Mitgliedsunternehmen keine Websites fördern, auf denen gegen das Urheberrecht verstoßen wird oder gefälschte Produkte zu finden sind.“

Im Kampf gegen Hass und rassistische Hetze hatten zuletzt auch eine Reihe deutscher Unternehmen erklärt, vorerst auf das Schalten von Werbeanzeigen bei Facebook zu verzichten. Darunter sind der Autobauer VW sowie die Sportartikel-Hersteller Adidas und Puma sowie der Softwarekonzern SAP. Andere Schwergewichte des Deutschen Aktienindex (Dax) wie Allianz, Deutsche Bank und Merck wollen laut einem Bericht des ZDF dagegen vorerst weiter Werbung bei Facebook schalten.

Weltweit beteiligten sich unter anderem die Café-Kette Starbucks und der Konsumgüterriese Unilever an dem Boykott. Vor dem Hintergrund der derzeitigen Anti-Rassismus-Proteste in den USA war der Druck auf Online-Plattformen zuletzt gestiegen, mehr gegen diskriminierende Inhalte zu unternehmen. Mehrere US-Bürgerrechtsgruppen forderten einen Werbeboykott gegen Facebook, das sich lange Zeit geweigert hatte, Hassbotschaften und problematische Beiträge von Politikern zu markieren.

Facebook erklärte, dass man weitere rechtsextreme Gruppen von seinen Seiten verbannt habe. Die Gruppierungen hätten die Anwendung von Gewalt propagiert, erklärte der US-Internetkonzern. Nach Angaben des Unternehmens wurden 220 Facebook-Konten geschlossen sowie 95 Konten im zum Konzern gehörenden Bilderdienst Instagram.