Berlin - Bevor die Katastrophe eintritt, eine Meldung aufs Handy: Das wünschen sich einer Umfrage zufolge acht von zehn Deutschen. Zwar gibt es bereits jetzt Apps, die das tun. Doch längst nicht alle Bürgerinnen und Bürger können so erreicht werden. Darum steht die Technologie „Cell Broadcast“ im Fokus.

Als das Bundeskabinett in der vergangenen Woche die Einrichtung eines Fonds für Wiederaufbauhilfe in den vom Juli-Hochwasser verwüsteten Regionen beschloss, ging es auch um die Kommunikation. Der Fonds soll insgesamt 30 Milliarden Euro umfassen. Festgelegt wurde auch, dass die Grundlage für „Cell Broadcast“ geschaffen wird.

Beim Cell Broadcast werden nicht einzelne Rufnummern (wie bei der SMS) angesprochen. Die Warnhinweise gelangen vielmehr auf alle Mobilfunkgeräte, die in einer Funkzelle eingebucht sind. Solange die Warnung aufrechterhalten bleibt, werden auch Geräte erreicht, die sich neu einbuchen.

Und selbst wenn das Handy stumm geschaltet ist, sind die Warnmeldungen via Cell Broadcast kaum zu überhören. Anwender müssen dafür nichts tun – außer darauf zu achten, dass der Akku des Geräts geladen ist. Denn ohne Strom funktioniert das nicht.

Bei den verheerenden Hochwassern Ende Juli waren viele Betroffene nicht oder nicht rechtzeitig gewarnt worden. Sie wurden von den Fluten überrascht. Künftig hätten 83 Prozent der Bundesbürgerinnen und Bundesbürger gerne eine Warnung per Kurznachricht auf das Handy oder Smartphone. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Branchenverbands der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche Bitkom.

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder forderte die Bundesregierung dazu auf, „schnellstmöglich die erforderlichen Rechtsgrundlagen und technischen Voraussetzungen“ zu schaffen, um die Technologie in Deutschland einzuführen. Selbst wenn Provider und Politik an einem Strang zögen, dürfte es rund ein Jahr dauern, bis das System einsatzbereit ist.