Berlin hat bei der Digitalisierung im Ländervergleich die Nase ganz weit vorne. Der Abstand der Hauptstadt zu Hamburg und Bremen, die im aktuellen Deutschland-Index zur Digitalisierung die Plätze zwei und drei belegen, ist groß. Das bundesweite Schlusslicht bildet derzeit Thüringen.

Das Kompetenzzentrum Öffentliche IT am Fraunhofer-Institut hat für die Erhebung neben frei zugänglichen Statistiken auch über 300 kommunale Webportale untersucht. Für ihren Index haben die Forscher nicht nur auf den Breitbandausbau und Infrastrukturdaten geschaut, sondern auch zahlreiche andere Indikatoren berücksichtigt, wie etwa die Zahl der Informatikstudenten in einem Bundesland oder unbesetzte IT-Stellen. Außerdem haben sie Kommunen nach ihrem öffentlichen WLAN-Angebot gefragt.

Digitale Verwaltung funktioniert in Hamburg besser

Im Vergleich zu den Index-Zahlen von vor zwei Jahren hat Berlin seinen Wert um 24,1 Prozent steigern können, damals wurde die Hauptstadt hinter Hamburg und knapp vor Bremen geführt, inzwischen gibt es einen deutlichen Vorsprung von Berlin (102,5 Prozent) zu Hamburg (88,5) und Bremen (79,8). „Für Berlin bietet die Digitalisierung die Chance eines dauerhaften Wachstums, sie ist der wichtigste Wirtschaftstreiber. Diese Chance nutzen wir, indem wir gute Rahmenbedingungen und Wirtschaftsförderungsinstrumente für unser Ökosystem schaffen. Wichtig ist, dass auch die Bundesregierung nicht den Zug verpasst: Wenn Deutschland international bei der Digitalisierung mithalten will, muss die Bundesregierung sich auf Berlin fokussieren“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) der Berliner Zeitung.

Die digitale Verwaltung funktioniert laut Index allerdings in Hamburg besser als in jedem anderen Bundesland. Die Forscher, die sich unter anderem auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Verwaltungsebenen untereinander und die Übersichtlichkeit des online verfügbaren Informationsangebots angeschaut haben, sehen Berlin hier knapp hinter Hamburg auf dem zweiten Platz. Danach folgen – mit einigem Abstand – Nordrhein-Westfalen und Bremen. Den letzten Platz belegt Sachsen-Anhalt.

Index der Digitalisierung:


Manuel Höferlin (FDP): Mangel an IT-Fachkräften beschämend

Oft ist die Rede davon, dass Berlin einer der weltweit attraktivsten Standorte für Start-ups ist. Die Statistiken zeigen, dass die Zahl der IT-Neugründungen in Berlin von 2017 bis 2018 so stark gestiegen ist wie in keinem anderen Bundesland. Der Wert stieg um 15 Prozent. Eine Erhebung der Bundesagentur für Arbeit vom Juni 2018 zeigt, dass Unternehmen in Hessen am wenigsten Probleme bei der Besetzung von Stellen in der IT- und Kommunikationsbranche haben. Auf 1000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte kamen dort knapp neun unbesetzte Stellen. In Hamburg waren es zehn, in Berlin zählte die Bundesagentur knapp 14 offene Stellen.

In Thüringen kamen in der Branche auf 1000 Beschäftigte immerhin fast 30 unbesetzte Stellen. In Mecklenburg-Vorpommern fehlten 26 Fachkräfte. Das Fraunhofer-Institut erklärte dazu: „Damit der – regional sehr unterschiedlich ausgeprägte – Fachkräftemangel nicht zur Wachstumsbremse wird, sind Maßnahmen bei der Bildung, aber auch zur Anwerbung und Bindung von Fachkräften geboten.“

Der digitalpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Manuel Höferlin, sagte, der Mangel an IT-Fachkräften sei „für die führende Industrienation Europas einfach beschämend“. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und seine Parteikollegin, Digital-Staatsministerin Dorothee Bär, sollten dafür sorgen, dass alle Menschen in Deutschland Zugang zu schnellem Internet haben, und nicht „für schöne Hochglanzfotos neben dem Flugtaxi von Airbus posieren“.

Wenig Interesse an Social Media

Die Mitarbeiter des Kompetenzzentrums Öffentliche IT hatten im vergangenen Jahr außerdem in jedem Bundesland einige repräsentativ ausgewählte Kommunen gefragt, ob es bei ihnen öffentliche WLAN-Hotspots gibt. Auch hier liegen die Stadtstaaten wieder ganz vorne. Die angefragten Kommunen in Schleswig-Holstein meldeten dagegen alle zurück: Freies WLAN gibt es bei uns nicht. Für Thüringen ermittelten die Forscher einen durchschnittlichen Anteil von fünf Prozent. Relativ niedrig ist die Zahl der öffentlichen Hotspots demnach im Saarland, in Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Und noch etwas stellten die Forscher fest: Die Begeisterung für soziale Medien ist nicht mehr ungebrochen. Ihren Angaben zufolge stieg der Anteil der Menschen, die Twitter, Facebook, Instagram und Co. nutzen, zwischen 2015 und 2017 nur im Saarland, in Rheinland-Pfalz und in Hamburg geringfügig an. In allen anderen Bundesländern sank der Anteil der User im gleichen Zeitraum – besonders niedrig ist der Wert in Brandenburg. (dpa/BLZ)

Öffentliches WLAN in Deutschland im Überblick: