Manchmal gibt es Platz für 3D-Druck auch im Kinderzimmer, wie der 14 Jahre alte Roméo Estézet in Paris zeigt. Er stellt einen Gesichtsschutz aus Plastik her. 
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BerlinDeutschland und Europa halten eine Spitzenposition bei der Entwicklung des 3D-Drucks inne, berichtet die dpa. Nach einer am Montag veröffentlichten Studie des Europäischen Patentamts (EPA) steht Deutschland hinter den USA auf dem zweiten Platz. Betrachtet man Europa insgesamt, liegt es mit fast der Hälfte aller Patentanmeldungen sogar auf Platz eins.

Europa und insbesondere Deutschland seien beim 3D-Druck in einer guten Position, sagt der Chefökonom des EPA, Yann Ménière. Hier gehe es um den Umbau traditioneller Industrien, erklärte er - und wenn die etablierten europäischen Champions in Feldern wie Luftfahrt, Chemie oder Autobau flexibel genug seien, könnten sie hier ihre Chancen nutzen. Die deutsche Industrie tue dies, mit einer „guten Performance“ in allen Segmenten der Wertschöpfungskette.

Für seine Studie hat das EPA die Patentanmeldungen aus dem Bereich 3D-Druck von 2010 bis 2018 ausgewertet. Im Ländervergleich liegen dabei US-Unternehmen mit 5747 Anmeldungen auf dem ersten Platz, dahinter folgt Deutschland mit 3155. Die europäischen Länder - es geht hier nicht nur um die EU - kommen zusammen auf 7863 Anmeldungen, das sind 47 Prozent.

Zwar räumt man auch beim EPA ein, dass eine Zählung von Patenten, die in Europa eingereicht werden, möglicherweise europäische Unternehmen überrepräsentiert, doch der Effekt sei nicht groß, hieß es. Wer ein Patent weltweit schützen wolle, tue dies auch beim EPA.

Die Entwicklung im 3D-Druck ist rasant: Von 2015 bis 2018 registrierte das EPA ein Wachstum von durchschnittlich 36 Prozent pro Jahr bei den Anmeldungen. Und Ménière erwartet, dass die Wachstumsraten hoch bleiben. Die Technik ist auf dem Weg aus der Nische: Betrachte man den Bereich der Ausrüster im 3D-Geschäft, gehe es um einen Markt von vielleicht 9 Milliarden Euro weltweit im vergangenen Jahr. Doch schon bis 2022 könne sich das verdoppeln. Betrachtet man allerdings die Wertschöpfung, geht es um ganz andere Dimensionen. Rund 5 Prozent der weltweiten Produktion könnte die Technologie in der Zukunft leisten.

Besonders viele Patente kamen im Untersuchungszeitraum aus dem Gesundheitssektor, der mit 4018 den ersten Platz belegt. Dahinter folgen der Energiebereich mit 2001 und der Verkehrsbereich mit 961 Anmeldungen.

Im Ranking der patentstärksten Unternehmen liegen die US-Konzerne General Electric und United Technologies mit 875 und 810 Anmeldungen auf den ersten beiden Plätzen. Rang drei holt Siemens mit 645. Weitere deutsche Vertreter in den Top 25 sind BASF auf dem fünften Rang, MTU auf Platz 10, Evonik (18.) und EOS (20.).

Einen weiteren Schub könnte der 3D-Druck durch die Corona-Krise erfahren, in der die Technologie unter anderem zur schnellen Erzeugung von Teilen und Ersatzteilen für Maschinen oder für die Herstellung von Masken oder Gesichtsschildern eingesetzt wurde. „Das war eine Demonstration der Fähigkeiten der Technologie“, sagt Ménière.