Der weltweit erste High-Tech-Reinigungsroboter schuftet in London, im Bahnhof Kings Cross St. Pancras. 
Foto: dpa/Aaron Chown

BerlinDas Bild vom gruseligen Roboter hat die Science-Fiction-Filmbranche in den vergangenen Jahrzehnten geprägt. In den erfolgreichen Geschichten geht es oft darum, dass die Maschinen die Weltherrschaft übernehmen wollen oder es ihnen zumindest gelingt, ihre zerstörerische Kraft unabhängig von Menschen einzusetzen. Mit der Wirklichkeit hat das wenig zu tun. 

Im Alltag geht es eher darum, wiederkehrende Arbeitsprozesse zu übernehmen, schneller und billiger zu arbeiten als der Mensch und dabei weniger Fehler zu machen. Aktuelles Beispiel: Die Corona-Krise hat besonders den Reise- und Tourismusbereich getroffen, weil die Menschen sich unterwegs nicht mehr sicher fühlen, die Ansteckungsgefahr lauert überall. Daher schafft es ein Hersteller von autonomen Desinfektionsrobotern, dass seine Maschinen zunehmend in Hotels, Eisenbahnen und Flughäfen eingesetzt werden. In London, im Bahnhof St. Pancras, kümmern sich solche Geräte beispielsweise um die Desinfektion der Waschräume.

Nach Angaben der Firma UVD Robots integriert der angeblich mobile, vollständig autonome Roboter UVC-Licht und eine große Anzahl von auf Desinfektion spezialisierten Anwendungen, um nicht nur Oberflächen,  sondern auch die Luft gegen Viren und Bakterien zu desinfizieren. Außerdem soll das Gerät auch eine umfassende Lösung zur Infektionskontrolle und Prävention bieten.

Volkswagen-Werk in Zwickau: Roboter montieren die Türen der Fahrzeuge. 
Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Das Beispiel zeigt, warum Robotertechnik in Zukunft noch wichtiger werden könnte. In der Pandemie kommt es nicht nur auf hohe Qualitätstandards in Sachen Reinigung an. Die Angst vor der Ansteckung, die Aufforderung zu Social Distancing könnte auch dazu führen, dass mehr Roboter im Alltag zum Einsatz kommen. „Roboter husten und niesen nicht und brauchen auch keine Atemschutzmasken. Auch in Digitalforen diskutierten junge Unternehmer vor allem in den USA über die Zukunft von Robotern, die über Künstliche Intelligenz gesteuert werden. Was kann der Mensch, was die Technik nicht kann, ist eine zentrale Frage“, schrieb unser Autor Adrian Lobe bereits im April.

Schon damals gab es erste Beispiele. In Norddeutschland wies ein kleiner Roboter die Kunden eines Supermarktes freundlich darauf hin, dass sie Abstand halten sollten, als das noch nicht so eingeübt war in der Gesellschaft. Für das kleine Gerät selber bedeuteten Kunden, die ihm zu nahe kamen, natürlich keine Gefahr.

Allerdings ist die Anschaffung von großen Industrierobotern auch mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden. Deshalb äußert sich der Branchenverband IFR vorsichtig. Wie sich die Corona-Krise auswirke, sei ungewiss. Ein starker Impuls von Großaufträgen sei aber unwahrscheinlich. Eine Ausnahme könne China sein, wo das Coronavirus früh wütete und sich die Wirtschaft schon im zweiten Quartal erholte. In Deutschland ist die Auto-Industrie ein großer Investor, aber die Autobauer bewegen sich zurzeit eher vorsichtig auf dem Markt.

Es werde einige Monate dauern, bis sich positive Trends in neuen Automatisierungsprojekten und der Roboternachfrage niederschlagen dürften, teilte Milton Guerry, Präsident der International Federation of Robotics (IFR) in der vergangenen Woche mit. „Für das Jahr 2021 rechnen wir mit einer Erholung - es könnte aber bis 2022 oder 2023 dauern, bis das Vorkrisenniveau erreicht ist“.

In Europa liegt Deutschland nach Angaben des Branchenverbands beim Einsatz von Industrierobotern weit vorn. Mit rund 221.500 Stück sei die Bundesrepublik die am stärksten automatisierte Volkswirtschaft in der EU. Der Bestand stieg 2019 um drei Prozent gemessen am Vorjahr. Damit seien in den Fabriken der deutschen Wirtschaft rund dreimal so viele Industrieroboter im Einsatz wie in Italien (74.400), fünfmal so viele wie in Frankreich (42.000) und zehnmal so viele wie in Großbritannien (21.700).

„Der Einsatz von Industrierobotern in Europa hat mit rund 580.000 Einheiten einen historischen Höchststand erreicht – der Bestand stieg um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, sagte IFR-Präsident Milton Guerry. Im weltweiten Vergleich liege Deutschland auf Rang fünf nach dem unangefochtenen Spitzenreiter China sowie Japan, Korea und den USA. Auch bei den Verkaufszahlen bewege sich die deutsche Wirtschaft seit langem auf hohem Niveau von rund 20.000 Einheiten pro Jahr - getrieben etwa von großen Investitionen der Autobranche 2018.

Bleibt die Frage, was das für den Arbeitsmarkt bedeutet. Guerry fordert, dass die Aus- und Weiterbildungsangebote den modernen Anforderungen entsprechend angepasst werden. „Regierungen und Unternehmen weltweit sollten sich darauf konzentrieren, die nötigen Kompetenzen für den Umgang mit Robotern und smarten Automatisierungssystemen zu vermitteln“, sagte er. „Das ist nötig, um das Potenzial dieser Technik voll auszuschöpfen.“

Nach einer Analyse der vom Wirtschaftsmagazin The Economist betriebenen Abteilung The Economist Intelligence Unit (EIU) aus dem Jahr 2018 gibt es nur in vier Ländern eine ausgereifte Bildungspolitik, die den Herausforderungen einer automatisierten Wirtschaft bereits gerecht wird. Südkorea führt dieses Ranking an, gefolgt von Estland, Singapur und Deutschland. Länder wie Japan, die USA und Frankreich werden als „entwickelt“ eingestuft. China gilt hier noch als Schwellenland.