Sich auf die Zukunftstechnologien einzulassen, das ist eine große Aufgabe der Gesellschaft.
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BerlinWenn das Thema nicht so ernsthaft wäre, ließe sich die deutsche Platzierung mit dem Eurovision Song Contest vergleichen. Auch bei dem europäischen Gesangswettbewerb ist die Bundesrepublik meistens im Mittelfeld und nicht selten weit hinten zu finden. Im Bereich der Digitalisierung erstellt die Europäische Union jedes Jahr einen Vergleich. Ergebnis: Deutschland belegt Platz zwölf in diesem Jahr, weit hinter Ländern wie Finnland, den Niederlanden oder Malta.

Das ist leider nicht wirklich lustig, denn die Corona-Krise macht gerade deutlich, was in Zukunft wichtig sein wird: ein stabiles, flächendeckendes Hochleistungsnetz, ein digitalisierter Medizinbereich, moderner Unterricht und innovationsgetriebene Unternehmen. In keinem dieser Bereiche ist Deutschland europaweit vorne. Nicht zu vergessen die öffentliche Verwaltung. Da hat zwar Berlin im Ländervergleich im vergangenen Jahr überraschend gut abgeschnitten, aber im europäischen Vergleich ist Deutschland auf Rang 21 (von 27 Ländern!) zu finden.

Was ein wenig Mut macht, ist das kürzlich von der Bundesregierung beschlossene Konjunkturpaket, das Investitionen in Milliardenhöhe vor allem im digitalen Bereich vorsieht. Aber die Projekte müssen auch angeschoben und umgesetzt werden. Das erfordert Mut.

Es scheint so, als würden wir in Deutschland noch im Zeitalter der Angst leben. Und denken: Das Internet wird schon irgendwann wieder weggehen. Aber das wird nicht passieren. Es existiert schon seit mehr als 50 Jahren.

Noch versuchen vor allem viele mittelständische Unternehmen, ihre gegenwärtigen Probleme mit Lösungsansätzen der Vergangenheit zu erledigen. Der Versuch wird scheitern, ist schon gescheitert. Andere Länder sind schneller und mutiger. Die europäischen Zahlen sind der beste Beweis dafür, dass die Einstellung sich schnell ändern muss.