BerlinAls Datenschutzbeauftragter beschäftige ich mich auch mit der Informationssicherheit, dies sogar ein paar Jahre länger als mit Datenschutz. Wie in jedem Weinberg des Herrn, so konnte ich auch in diesem von verschiedenen Früchten kosten – so auch von der Frucht der Worthülsen. Hier und heute und ohne notarielle Aufsicht bin ich bereit, mit Ihnen meine liebsten drei Worthülsen der Sicherheit zu teilen, nach dem Motto geteiltes Leid ist halbes Leid. Hier Hülse Nummer eins: „Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit“. Hätten Sie das gedacht? Ich auch nicht. Ein richtiges Evergreen ist das, achten Sie mal darauf im nächsten TV-Interview, egal welcher Experte für Terror, für Finanzmanipulation oder – schwer angesagt, da dauerpräsent – für eine mexikanische Biermarke sich zur Sicherheitslage äußert. Am Ende ist diese Lage nicht hundertprozentig gesichert. Und mein Worthülsenspeicher ist dann entsichert.

Nur mit geringem Abstand folgt Hülse Nummer zwei: „Sicherheit ist kein Zustand, Sicherheit ist ein Prozess.“ Ja, das stimmt. Auch der Tagesablauf ist ein Prozess. Haben Sie jemals jemanden sagen hören „Mein Tagesablauf ist ein Prozess.“ Oder „Das Leben ist ein Prozess“. Je nach persönlicher Vorliebe ist das Leben zu kurz, mit dem Odium einer benutzten Windel versehen oder auch schlicht schön. Aber doch kein Prozess. Nur der armen Sicherheit wird ständig der Prozess gemacht. Dabei ist sie völlig unschuldig. Wenn Sie es bis hierhin geschafft haben, werte Leserinnen und werte Leser, haben Sie sich ganz persönlich meine Sicherheitsworthülse Nummer drei verdient: „Sicherheit ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“ Ja, die Sicherheit muss sich schon ausdauernd und vergeblich anstrengen, um die 10 Prozent nicht zu erreichen, sonst wird ihr der Prozess gemacht. Das ist schon kafkaesk. Bitte missverstehen Sie mich nicht.

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