Der Brexit trifft London hart, in „Watch Dogs Legion“ sollen die Spieler die Hauptstadt retten.
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BerlinDie nächsten Monate werden für die Spielefans frustrierend. Denn frühestens im Herbst erscheinen die längst angekündigten Spielekonsolen Playstation 5 und Xbox Series X. Sie verheißen einen Leistungssprung. Bis dahin erscheinen Spiele, die noch auf den Konsolen von 2013 funktionieren müssen. Es gibt aber Ausnahmetitel, die das  Zeug haben, die ausharrende Gamer-Gemeinde wachzurütteln.

"Cyberpunk 2077“ (16. April, PC, Playstation 4, Xbox One):  In dem Spiel ist die Menschheit also schon 57 Jahre weiter. Die Macher prognostizieren, dass die Zukunft deprimierend sein wird. Wie das üblich ist im Genre des  Cyberpunks, der pessimistischen   Science-Fiction-Spielart. Zu dem Genre gehören auch Hollywood-Klassiker wie „Blade Runner“.

In der Welt von „Cyberpunk 2077“ ist die  Menschheit korrupt, Konzerne plündern das Land, und als Antihelden treten ruppige Outlaws auf. Aber das ist alles technisch hervorragend gemacht. Bei „Cyberpunk 2077“ waren echte Experten am Werk: Der Spiele-Autor Mike Pondsmith hat das Genre in den 1980er Jahren geprägt. Das Spielestudio CD Projekt Red hat gefeierte Computer-Rollenspiele entwickelt. Die Spieler lavieren als Auftragsverbrecher zwischen verfeindeten Fraktionen.

Mit wem sie zusammenarbeiten, wen sie verraten und wie sie dabei vorgehen, steht ihnen frei. Das Wenige, was die Macher bisher über ihr Spiel verraten haben, lässt auf einen technischen und erzählerischen Meilenstein hoffen. Wenn der Titel sein Potenzial einlöst, steht erwachsenen Spielern ein zynischer, aber hellsichtiger Blick in ein mögliches Morgen bevor.

„Final Fantasy VII Remake“ wirkt ein bisschen wie ein animierter Kinofilm. 
Foto: Square Enix


„Final Fantasy VII Remake“ (3. März, Playstation 4): Millionen von Spielern haben in ihrer Jugend „Final Fantasy VII“ ausprobiert. Das japanische Rollenspiel brachte 1997 den Durchbruch für ein Genre, das im Westen nur wenige Nutzer verstanden.

Es machte die traditionsreichen, ellenlangen Melodramen zu einem popkulturellen Phänomen. Die Seifenoper um beleidigte Widerstandskämpfer und große Gefühle fand ihr pubertäres Publikum. Viele weinten hier das erste Mal bei einem Videospiel. Einige der Schöpfer von damals sind zusammenkommen, um das alte Spiel noch einmal ganz neu zu inszenieren.

Das neue, alte „Final Fantasy VII“ wird sich ein bisschen anders spielen, es wird aussehen wie ein animierter Kinofilm und es wird sich – gefühlt – unendlich viel Zeit lassen – so viel, dass dieses jahrelang entwickelte Spiel eigentlich nur das erste Kapitel von damals abhandelt. Das Remake der folgenden Kapitel von „Final Fantasy VII“ wird sich noch über Jahre hinziehen.

In „Marvel’s Avengers“ müssen die Spieler an neue Gesichter gewöhnen.
Foto: Square Enix


„Marvel’s Avengers“ (15. Mai, PC, Playstation 4, Xbox One): Dieses Spiel  darf einfach nicht scheitern. Dafür ist es zu groß, war zu lange in der Entwicklung, hat zu viel Geld gekostet. Überraschend: Die Helden im Spiel sehen ganz anders aus als die Stars in den Filmen wie „Black Panther“, „Captain Marvel“ oder „Black Widow“.

An die neuen Gesichter statt der bekannten Schauspielstars müssen die Zuschauer sich erst gewöhnen. Vom eigentlichen Spiel wurden bisher nur kurze Actionstrecken gezeigt. Echte Abwechslung soll der fertige Titel bieten.

Allein oder mit befreundeten Helden können die Spieler einerseits ein episches Abenteuer erleben, andererseits soll es aber wie eine Fernsehserie immer weitergehen. Ob dabei eine spannende Geschichte entsteht oder ein Konkurrent für Online-Dauerbrenner wie „Destiny 2“, ist noch völlig offen.

Auch Polizei und Justiz spielen eine große Rolle in "Watch Dog Legion".
Foto:  Ubisoft


„Watch Dogs Legion“ (Datum unbekannt, PC, Playstation 4, Xbox One): Auch Großproduktionen können etwas richtig Neues anstreben. „Watch Dogs Legion“ ist ein Wagnis, weil die Menschen darin echter wirken als anderswo.

Auch das Szenario fühlt sich echter an: In einem rundum deprimierenden London nach dem Brexit regnet es ständig, überall hängen Kameras, ein Privatkonzern greift nach der Macht. Das Hacker-Kollektiv Dedsec leistet dagegen Widerstand. Wer in diesem Kollektiv mitkämpfen darf, bestimmen die Spieler.

Sie laufen durch die Straßen der offenen Welt und können jeden Türsteher, jeden Obdachlosen und jede alte Dame für die gute Sache rekrutieren. Mit welchen Mitteln der bunte Haufen die neue Obrigkeit dann hackt, steht den Spielern offen.

Das Projekt ist also ambitioniert, die Umsetzung anspruchsvoll. Die Entwickler hatten angekündigt, das Spiel im Frühjahr auf den Markt zu bringen, doch daraus wird nichts. Aber im Laufe des Jahres sollte es dann mit der Veröffentlichung doch klappen.

In „Spiritfarer“ geht es auch um den Umgang mit dem Tod. 
Foto Thunder Lotus

„Spiritfarer“ (Datum unbekannt, PC, Playstation 4, Switch, Xbox One):   Kleinere Teams haben es oft etwas leichter, weil sie mit kleineren Budgets echte Wagnisse eingehen können. Neue und berührende Erfahrungen verspricht „Spiritfarer“. Das Indie-Spiel verbindet verschiedene Stile und Stimmungen.

Es geht um das Große und Ganze im Leben, es geht darum, die Welt zu entdecken, das Leben zu genießen und sich dann am Ende mit dem Tod zu verabschieden. Das Spiel ist gezeichnet wie ein warmherziges Zeichentrickabenteuer. Als Fährmeisterin Stella betreuen Spieler verschiedene Fabelwesen und sorgen dafür, dass sie ihre letzte Überfahrt möglichst würdevoll mit guter Laune erleben. Stella angelt, plaudert, hüpft und baut an ihrem Hausboot herum.

Dann wird Abschied genommen. Das Abenteuer ist charmant erzählt, die Technik lässt sich wunderbar leicht bedienen und die Geschichte verpackt ein schwieriges Thema auf verblüffend einladende Weise. „Spiritfarer“ beweist: Im Jahr 2020 geht es endgültig nicht mehr darum, was Entwickler technisch draufhaben. Es geht darum, wo sie hinwollen und was sie erzählen können.