Mit der App „ErnteErfolg“ sollen Landwirte Unterstützung finden, wenn es darum geht, Obst und Gemüse einzufahren.
Foto:  Bernd Friedel

BerlinLandwirte unterstützen, Kurzarbeitergeld beantragen, Pflegekräfte vermitteln und Schutzartikel weitergeben – das sind die vier Bereiche, in denen die junge Digitalszene in der Corona-Krise und in der Zeit danach helfen soll. Die Bundesregierung hatte zu Beginn der Ausbreitung der Pandemie in Deutschland zu dem Hackathon #WirVsVirus aufgerufen, unter ursprünglich mehr als 1000 Projekten sind die vier Konzepte von Experten als besonders förderungswürdig ausgewählt worden.  

RemedyMatch gehört zu den vier Teams. Am Anfang waren ungefähr 20 Enthusiasten aus allen Ecken Deutschlands dabei, inzwischen ist die Gruppe auf ungefähr 150 Leute angewachsen. Konkret geht es darum, bundesweit den Bestand und Bedarf von medizinischen Schutzartikeln zu bündeln und zu koordinieren. Wo gibt es einen Überangebot an Schutzmasken, wo werden dringend welche benötigt? Das sind zentrale Fragen. Konkret wurden bisher zweimal Corona-Carepakete übergeben, ein Seniorenheim in Frankfurt am Main erhielt Schutzmasken, ein Hospiz im Kreis Heinsberg wurde mit Masken und Einmalhandschuhen versorgt, die von Unternehmen gespendet worden waren. 

Nun geht es in die nächste Runde, alles eine Nummer größer. Neben Unterstützung bei der Skalierung soll auch ein nachhaltiges Geschäftsmodell für die Plattform entwickelt werden. Big Player wie Google und Ray Sono, Wegbereiter von Unternehmen und Organisationen im digitalen Bereich, wollen als Berater und Ideengeber fungieren. Daneben gibt es auch finanzielle Unterstützung für die Projekte.

Bei RemedyMatch sind auch Entwickler dabei, denen mit einem Stipendium geholfen wird, in anderen Fällen haben die Arbeitgeber sich großzügig gezeigt und Mitarbeiter für einen Tag pro Woche freigestellt. Außerdem wurden dem Team Türen auf Bundesebene geöffnet. Es geht also nicht mehr um kurzfristige Hilfe in der Krise, sondern um ein Projekt mit langem Atem. „Es geht nicht nur um  Quickwins, wir sind dabei, größer und nachhaltiger zu werden. Wir wollen über Monate oder vielleicht sogar Jahre bestehen“, sagt Melanie Uhlen, die sich um die Kommunikation kümmert. 

Die Bundesregierung ist mit dem Hackathon neue Wege gegangen. Erstmals wurde die Digitalszene frühzeitig eingebunden und begann zunächst auf Basis der Freiwilligkeit an einem Wochenende Ideen und Konzepte für die schnelle Hilfe zu entwickeln. Die Begeisterung und der Enthusiasmus überraschte selbst die Initiatoren der Bundesregierung.

Und die Idee fand schnell Nachahmer: Die europäische Union orientierte sich an dem deutschen Konzept beim Hackathon #EUvsVirus und Anfang der Woche kamen an der Charité in Berlin Mediziner der Unikliniken zusammen, um herauszufinden, wo digitale Konzepte helfen können. Auch Projekte des Hackathons der Bundesregierung wurden hier berücksichtigt. Vernetztes Arbeiten – darum ging es. 

Die drei weiteren ausgewählten Projekte: „ErnteErfolg“ bietet eine Plattform zur Hilfebedarfsermittlung bei ökologischen Landwirten und verknüpft diese direkt mit Erntehelfern aus der Umgebung. Dabei geht die Plattform über eine einfache Tausch-Börse-Funktion hinaus und matched Angebot und Nachfrage automatisch.

„UDO“ hilft bei der einfachen und schnellen Beantragung des Kurzarbeitergeldes per Chatbot. In Zukunft soll dieses Angebot auch für die monatliche Zeiterfassung erweitert werden.

„Pflegesterne“ realisiert das Matching von ehemaligen qualifizierten Pflegekräften mit suchenden Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Pflegediensten. Darüber hinaus soll ein digitaler Pflegecampus entstehen, der Weiterbildungs- und Qualifizierungsangebote bündelt und das Image des Pflegeberufs in Deutschland nachhaltig verbessert.