Ein Mann schaut sich die Corona-Warn-App in der Entwickler-Version auf seinem Smartphone an. Mithilfe der App werden Bürger benachrichtigt, sollten Sie sich in der Nähe eines am Coronavirus Erkrankten aufgehalten haben, wenn dieser die App ebenso installiert hatte und seine Erkrankung meldet. 
Foto: dpa/Michael Kappeler

BerlinSeit Monaten ist an der Corona-Warn-App getüftelt worden, nun ist sie endlich einsatzbereit. Ab Montagabend kann sie runtergeladen, ab Dienstag dann genutzt werden. Aber was kann diese App tatsächlich leisten? Und welchen Service bietet sie? Ein Überblick

Was kann die deutsche App leisten?

Die App soll dazu beitragen, dass Menschen nachträglich darüber informiert werden, wenn sie sich in der Nähe infizierter Personen aufgehalten haben. Dabei erfährt man nicht, wer diese Personen waren – und auch nicht, ob man sich aktuell neben infizierten Personen befindet.

Wie funktioniert das technisch?

Die Corona-Warn-App basiert auf der Bluetooth-Technologie. Mit der App verwandelt sich das Smartphone in einen kleinen „Bluetooth-Leuchtturm“, der ständig eine Identifikationsnummer in die nähere Umgebung funkt. Gleichzeitig prüft das Telefon, ob es Bluetooth-Signale von anderen empfängt. Halten sich Nutzer für eine bestimmte Zeit nebeneinander auf (Abstand ungefähr 1,5 Meter, Dauer wohl länger als fünf Minuten), tauschen die Smartphones ihre IDs aus.

Und wie geht es dann weiter?

Die positiv getestete Person kann freiwillig ihren Status in der App angeben. Tut sie das, werden ihre IDs an einen zentralen Server gesendet. Von dort werden alle IDs automatisch und in regelmäßigen Abständen auf die Geräte von anderen App-Nutzern heruntergeladen und mit den Kontakt-IDs der vergangenen 14 Tage abgeglichen. Wird ein Treffer gefunden, gibt die App eine Warnmeldung ab.

Wie sicher ist die App?

Es werden keine Ortsinformationen erfasst oder übertragen. Die Kontaktdaten liegen auf keinem Server, der von der Regierung theoretisch oder in der Praxis erreicht werden könnte, sondern nur auf dem Smartphones der Anwender. Und die per Bluetooth übertragenen Kontaktdaten werden ein zweistufiges Anonymisierungsverfahren durchlaufen, so dass man auf den übertragenen Kurzzeitschlüsseln nicht auf den Besitzer des Smartphones schließen kann, schrieb das Technikmagazin Chip.

Auf welchen Geräten lässt sich die App nutzen?

Jeder Smartphone-Besitzer kann die App aus den offiziellen Stores von Google (Playstore) und Apple (App-Store) herunterladen. Beim iPhone ist das aktuelle iOS 13.5 Mindestvoraussetzung. Das gibt es für Geräte ab dem iPhone 6s oder dem iPhone SE. Bei Android-Handys ist Android 6 notwendig. Huawei erklärte jetzt, dass die Technik auch ohne die eigentlich erforderlichen Google-Dienste auf seinen neuesten Android-Smartphones angeboten werden könne. Dazu kündigte der Smartphone-Hersteller die Bereitstellung einer eigenen Programm-Schnittstelle an.

Wie viele Personen müssen mitmachen, damit die App erfolgreich arbeiten kann?

Am Anfang war von 60 Prozent der Bevölkerung die Rede. In der Zwischenzeit hat sich in vielen Ländern allerdings gezeigt, dass die Vorbehalte groß sind. Und trotzdem kann die Technik helfen. Jedes Mal, wenn Personen über eine Infizierung informiert werden, können sie aktiv Schutzmaßnahmen einleiten. Und sie können Freunde informieren, die sich zu der angegebenen Zeit auch an dem Ort aufgehalten haben. So lässt sich die Infizierungskette unterbrechen. Deshalb sagte Dorothee Bär (CSU), Staatsministerin fürs Digitale: „Jeder Einzelne, der sich die App runterlädt, hilft. Je mehr das tun, desto besser.“

Was kommt danach?

Die Möglichkeit einer Datenspende. Die Bundesregierung will Forschungsserver aufbauen, an den die Nutzer pseudonymisierte Daten freiwillig spenden können, die dann für die wissenschaftliche Forschung genutzt werden können.