Obwohl die „Pille danach“ seit langem auf dem Markt ist, weiß niemand im Detail, auf welche Weise sie ihre Wirkung entfaltet. Als gesichert gilt, dass ihr Inhaltsstoff Levonorgestrel, sofern er rechtzeitig eingenommen wird, den Eisprung verhindert. Unklar ist hingegen, ob das künstliche Gestagen darüber hinaus die Beweglichkeit der Eizelle und der Spermien verringert und – das ist aus ethischer Sicht wichtig – die Einnistung einer bereits befruchteten Eizelle in die Gebärmutter erschwert. Wäre letzteres der Fall, käme die Einnahme der „Pille danach“ aus Sicht ihrer Kritiker einer Abtreibung gleich. Sollte Levonorgestrel hingegen ausschließlich die Reifung der Eizelle stören, würde das Medikament seine Wirkung verlieren, sobald der Eisprung in den nächsten 12 bis 24 Stunden bevorsteht oder schon erfolgt ist.

Klar ist, dass die „Pille danach“, bei der die nötige Menge an Levonorgestrel je nach Präparat auf ein oder zwei Tabletten verteilt ist, eine Schwangerschaft nicht hundertprozentig verhüten kann. Studien haben gezeigt, dass 0,4 Prozent der Frauen, die das Medikament binnen 24 Stunden nach dem ungeschützten Sex einnehmen, trotzdem schwanger werden. Das ist immerhin eine von 250 Anwenderinnen.

Jede Zehnte spürt Nebenwirkung

Schlucken die Frauen die Pille erst zwei oder drei Tage später, beträgt die Schwangerschaftsrate sogar 1,2 Prozent beziehungsweise 2,7 Prozent. Zum Vergleich: Ohne die „Pille danach“ würden erfahrungsgemäß 5,5 Prozent der Frauen schwanger.

Mit Nebenwirkungen von Levonorgestrel, das in Deutschland als „Pidana“ auf dem Markt ist, müssen ihre Anwenderinnen rechnen. Mehr als jede zehnte Frau leidet nach der Einnahme des Medikaments unter Übelkeit, Kopf- oder Bauchschmerzen. Auch Zwischenblutungen und Spannungsgefühle in der Brust sind häufig. Die Nebenwirkungen sind auf jeden Fall so stark, dass Mediziner übereinstimmend empfehlen, die Einnahme auf den Notfall zu beschränken. Sollte die „Pille danach“ eine Schwangerschaft nicht verhindern können, wirkt sie sich nach heutigem Wissen allerdings auch nicht nachteilig auf den sich entwickelnden Embryo aus.

Ob das bei der derzeit einzigen Alternative zu Levonorgestrel, dem Wirkstoff Ulipristal, genauso ist, weiß man noch nicht. Das Medikament ist seit Oktober 2009 als „Ellaone“ erhältlich und wird, weil es noch so neu ist, in jedem Fall rezeptpflichtig bleiben. Ulipristal ist anders als Levonorgestrel kein synthetisches Hormon, sondern ein sogenannter selektiver Progesteron-Rezeptormodulator. Der Wirkstoff heftet sich in den Körperzellen an die Bindungsstellen für das Hormon Progesteron und blockiert dessen Wirkung. So kann Ulipristal den Eisprung sogar dann noch unterdrücken, wenn dieser ohne das Medikament schon in wenigen Stunden erfolgt wäre.

Der größte Vorteil dieser neuen „Pille danach“ ist, dass sie noch bis zu fünf Tage nach dem ungeschützten Sex eine Schwangerschaft verhindern kann. Zudem wirkt sie zu jedem Zeitpunkt der Einnahme zuverlässiger als Levonorgestrel. In einer Vergleichsstudie, in der die Probandinnen eine der beiden Pillen bis zu drei Tage nach ungeschütztem Sex einnahmen, wurden mit Levonorgestrel 1,7 Prozent der Frauen schwanger, mit Ulipristal nur 0,9 Prozent. Vielleicht ist das der Grund, warum dieses Präparat zunehmend häufiger verschrieben wird, laut Gesundheitsministerium voriges Jahr in 46 Prozent der Fälle.