Gewinner erhalten ein Tablet in einer mit einem Motiv des Berliner Fotografen Tobias Kruse der Agentur Ostkreuz bedruckten Verpackung.
Bild NEPOS

BerlinGroßtante Luise war schon über 80 Jahre alt, und das Internet mit all seinen süßen Verlockungen und hinterlistigen Tücken schien sang- wie klanglos an der Schauspielerin vorbeizurauschen. Ihr Neffe Paul Lunow, 34 Jahre alt, einer aus der Generation, die schon mit digitalen Schwimmhäuten und binären Ohrkiemen auf die Welt gekommen ist, konfrontierte sie brüsk mit den neuen Möglichkeiten der Technik.

„Tante Luise, wir haben einen Familienchat. Deine Urenkel wollen mit dir skypen. Du musst dich mit dem PC auseinandersetzen!“ Vergebens zunächst. Mit einem Trick aber steigerte er ihre Neugier ins Unermessliche. „Tante Luise, stell dir vor, du kannst auf YouTube jedes Theaterstück auf der ganzen Welt ansehen, und das auch noch umsonst!“ Sie war elektrisiert.

Entdecken Sie Schritt für Schritt das Internet!

Die Berliner Zeitung und Nepos verlosen 30 Tablets mit der einfachsten Bedienung der Welt – bereits für Sie eingerichtet. Und natürlich ist auch das digitale Angebot der Berliner Zeitung mit an Bord! Das besondere Extra: Die Verpackung Ihres Digital-Pakets ist mit einem Motiv des Berliner Fotografen Tobias Kruse der Agentur Ostkreuz bedruckt.

So nehmen Sie an dem Gewinnspiel teil: Telefon: Rufen Sie an unter 030/2327-77 und nennen Sie das Stichwort Nepos Online unter: www.nepos.de/30

Teilnehmen können Sie bis zum 15. November.

Jedoch: Alle Versuche Lunows, der Seniorin die Benutzung eines angeschafften Geräts beizubringen, schlugen fehl. Eines Tages rief sie an. Der Computer sei kaputt. Was war passiert? „Sie hatte alles gelöscht, das sie nicht kannte. Auch den Systemordner“, sagt Lunow. 

Digitale Bildung in Deutschland „bestenfalls mittelmäßig“

Das deckt sich in etwa mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen. „Ältere Menschen brauchen zunächst einen Mehrwert. Und wo junge Leute unbekümmert nach dem Prinzip Versuch und Irrtum neue Techniken ausprobieren, haben Ältere Zweifel, ob sie auftretende Probleme bewältigen können. Sie trauen sich nicht und verzichten lieber auf die Nutzung“, sagt Herbert Kubicek, emeritierter Professor für angewandte Informatik der Universität Bremen. Oder sie misstrauten der Chose ganz und löschten gleich alles.

Kubicek, 72 Jahre alt, gilt als Kapazität auf seinem Gebiet. 2017 veröffentlichte er mit Barbara Lippa die Studie „Nutzen und Nutzung des Internets im Alter“. Die Autoren stellen darin fest: Zehn Millionen Menschen sind noch nie online gewesen. Weitere zehn Millionen „Nutzer“ haben noch nie online eingekauft. „20 Millionen Menschen bleiben bei der Digitalisierung bisher auf der Strecke“, schreibt der Emeritus. Abhilfe sei nicht in Sicht.

Im Vergleich zu den USA und vielen anderen Ländern sei die digitale Bildung in Deutschland „bestenfalls mittelmäßig“, so Kubicek. Bereits 2003 gründete er die Stiftung „Digitale Chancen“ mit dem Ziel, diejenigen digital zu schulen, zu denen ältere Menschen Vertrauen haben – Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt, Kirchen. „Senioren sind nicht auf den Kopf gefallen. Sie organisieren sich selbst. Also sagen wir: Train the Trainer“, sagt er.

Paul Lunow gründete gemeinsam mit Geschäftspartner Florian Schindler das Start-up Nepos.
Foto: Markus Wächter

Eine weiteres Ergebnis der Studie ist die Erkenntnis, dass das Tablet die benutzerfreundlichste Oberfläche für Senioren biete. Das deckt sich wieder in etwa mit den neuesten Forschungen des Neuköllner Großneffen Paul Lunow: „Ein Tablet ist die einfachste Form, an der digitalen Welt teilzunehmen. Man muss kaum Vorkenntnisse mitbringen.“

Paul Lunow hat Informatik an der Freien Universität studiert. Genau ein Semester lang. Er habe sich das Studium und sein Leben ein wenig „freier und selbstbestimmter“ vorgestellt, sagt er. Schon als Kind schraubte er an den abgelegten PCs seines Vaters herum und versuchte, sie schneller und für seine Spiele kompatibel zu machen. Mit einem Kumpel gründete er die Technologie-Hub ApeUnit, las Fachbücher und baute Websites. „Ich war zugleich der IT-Administrator unserer Familien-Computer.“

Unsichtbare Mauern einreißen

Seine Verzweiflung über die Tante brachte ihn auf die Idee. „Sie muss immer auf den grünen Button unten in der Mitte drücken. Und nicht etwa auf den Button: Absenden“, stellte er fest. „Die Lösung ist supereasy: Man baut eine Oberfläche, die immer gleich bleibt. Die älteren Menschen lernen einmal, wie es funktioniert, und man hängt verschiedene Dienste daran, die immer nach dem gleichen Muster funktionieren.“

Unzählige Start-ups arbeiten in Berlin an den digitalen Lösungen von morgen. „Aber warum gab es keine Marke, die Technologie für Senioren aufbereitet?“ Für Lunow gilt es, die unsichtbaren Mauern, die durch die Digitalisierung für viele Menschen entstanden sind, einzureißen. Als er IT-Dienstleister gewesen sei, habe zwar der Verdienst gestimmt. „Aber mir fehlte auf Dauer die soziale Komponente.“

Zusammen mit dem Investment-Fachmann Florian Schindler gründete er das Start-up Nepos – und mit der Seniorenresidenz Rosenhof in Zehlendorf die Akademie Rosenhof. Vier Jahre lang entwickelte er eine Software und eine Plattform. Seine Ergebnisse stellte er insgesamt rund 300 Senioren in vier Langzeit-Studien immer wieder vor. „Das war interkulturell sehr schön, wir haben viel gelernt“, sagt Lunow. „Dieses Wissen brauchten wir.“

Inzwischen hat das Unternehmen zehn Mitarbeiter. Und die Oberfläche „Universal Interface“, kurz: Ui+, ist das erste Produkt, das das Nepos-Markenversprechen einlösen soll. Das Team spielte die Software zunächst auf ein Samsung-Gerät. „Wir wollen sehen, wie das langfristig funktioniert.“

Der Clou dabei: Die Software kostet nichts! Das Start-up finanziere sich neuwirtschaftlich über Provisions- und Lizenzmodelle. „Und wir achten genau darauf, dass unsere Partner die Nutzer nicht ausnutzen.“

Großtante Luise ist die erste Userin. Begeistert sieht sie Theater und Opern auf YouTube, hört Klassik-Radio und Podcasts, liest Artikel der Berliner Zeitung. Und: Online-Shopping, Banking, Fahrkarten buchen, E-Mail oder das Nachbarschaftsnetzwerk nebenan.de folgen in Kürze. „Wir verstehen uns als Plattform, die Zugänge zum Internet schafft, freundlich grüßt und sofort eine Videokonferenz mit dem Enkel herstellt. Wir wollen ein positives Nutzererlebnis schaffen und bei Problemen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen“, sagt Lunow.

In einem ersten Launch verlost das Unternehmen nun 30 Tablets mit fertig installierter Oberfläche. Die Plattform steht schon jetzt allen unter www.nepos.app zur Verfügung. Meckern ist erwünscht. Lunow sagt: „Wichtig ist die kontinuierliche Forschung. Wir freuen uns über jedes Feedback.“