Gemietete E-Autos mit entladener Batterie müssen an einer Ladesäule wieder aufgeladen werden.
Foto: dpa/Julian Stratenschulte

BerlinWie gut, dass es Car-Sharing-Dienste gibt. Sonst würde ich jetzt nicht mit den zwei Vierjährigen auf der Rückbank in Richtung Karls Erlebnisdorf sausen, wir hätten nicht diesen tollen Nachmittag in der Wustermark vor uns. Mein alter Ford sprang an diesem Sonntag nicht an, eine Lösung musste her, und zwar pronto, die Kinder wollten ins Erdbeerdorf. Da kam die Idee: Vielleicht kann einer dieser Car-Sharing-Dienste helfen. WeShare klingt gut, da kann man mit e-Golfs zum Minutenpreis cruisen. Das Ganze sah unkompliziert aus, die Anmeldung ist es auch, nach wenigen Minuten war ich neu registriertes Mitglied.

Das nächste Auto steht gleich an der Ecke, der Strom reicht noch für 78 Kilometer, sagt die App. Bis zum Erdbeerdorf sind es 24 Kilometer pro Strecke, das müsste locker reichen. Wir surren los. Bloß unser Kilometerpegel schrumpft beunruhigend schnell. Was, wenn die Batterie leer ist? Wo findet man die nächste Ladestation? In der Wustermark? Etwas hektisch durchsuche ich die FAQs in der App, darin steht: Ums Aufladen kümmert sich der Anbieter. Aber: Sobald der Kilometerstand unter 20 fällt, bin ich in der Pflicht.

Wir kommen gut hin und zurück, aber auf der Rückfahrt unterschreiten wir den Wert. Ich habe noch nie ein Elektroauto aufgeladen und nun viele Fragen: Wie lange dauert das? Muss ich daneben warten? Mit zwei übermüdeten Kleinkindern? Ich rufe die Hotline an, eine Melodie dudelt, ich warte, 5 Minuten, 10 Minuten, dann meldet sich eine Frau. Sie sagt: Ich soll das Auto nur an der Ladestation anschließen, es bleibt dort stehen. Und wir? Wie kommen wir dann nach Hause? Dann soll ich mir einen weiteren E-Golf mieten, rät sie. Und wenn keiner in der Nähe ist? Mit zwei Kleinkindern ist man so flexibel wie ein Gebirge, da kann man solche Fragen nicht dem Zufall überlassen. Die Frau lacht nervös, da könne sie mir nichts zu sagen.

Unerwartete Herausforderungen

Mir schwant nun, dass man sich wohl stärker in die Mobilitätswende reinfuchsen muss, ehe man einfach lossurren kann. Aber zunächst muss ich nun eine Ladesäule finden. In den FAQ steht, man sollte sich eine weitere App holen, die zeigt alle Stationen an. Runtergeladen, registriert, voilà, da erscheint eine Karte mit lauter bunten Punkten.

Einer davon in einem Gewerbegebiet knapp zwei Kilometer entfernt von zu Hause. Die App teilt mir mir, was ich tun soll: Ladekarte aus dem Handschuhfach nehmen, Kabel aus dem Kofferraum holen… Aber da ist keines. Das Auto ist fast leer, geladen bin im Moment nur ich, erneut rufe ich das Callcenter an, es ist inzwischen dunkel, die Kinder jammern, „Mama, wie lange noch“, schließlich geht eine Frau dran, sie sagt: Das sei aber selten, dass so ein Kabel fehlt. Und nun? Ich soll das Auto abstellen, sagt sie, ein Servicemitarbeiter werde sich kümmern.

Als wir in der Wohnung ankommen, blinkt das Handy noch einmal, WeShare will noch was von mir, eine Bewertung. Wir sind müde, erleichtert und wieder heiter, fünf Sterne, bitte, danke, dann ist endlich Ruhe.